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Experten raten von Panikverkäufen ab. Doch das Risiko bleibt, dass das wirtschaftliche Wachstum sinkt und die Inflation zunimmt.

Der Krieg in Iran führt zu höheren Kosten: Der Benzinpreis an den Zapfsäulen reagiert unmittelbar auf das teurere Erdöl.
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Die Finanzmärkte geben sich bis jetzt nur wenig beeindruckt durch den Krieg im Iran. Die Schweizer Börse eröffnete im frühen Handel mit einem Minus von 1,7 Prozent. Unter Druck standen vor allem Finanzwerte wie die UBS, aber auch die Hersteller von Luxusgütern wie Richemont oder Swatch. Dagegen konnte der Nahrungsmittelkonzern Nestlé sogar leicht zulegen. Der deutsche Leitindex DAX sank um über 2 Prozent.
Die Untergangs- und Crashszenarien hätten derzeit zwar wieder Hochkonjunktur, sagt Thomas Stucki, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank. «Jetzt Aktien in Panik zu verkaufen, ist jedoch Fehl am Platz.» Um sich ein genaueres Bild zu verschaffen, müsse man die nächsten Tage abwarten.
Die Investoren rechneten momentan nur mit begrenzten Störungen an den globalen Energiemärkten mit überschaubaren Folgen für die Weltwirtschaft, bestätigt Samy Chaar, Chefökonom der Bank Lombard Odier. Allerdings sei ein länger anhaltender Konflikt mit einem Ölpreisschock nicht in den Marktreaktionen enthalten. In einem solchen Szenario wäre auch die für den Ölhandel wichtige Strasse von Hormuz für längere Zeit blockiert, womit das globale Wirtschaftswachstum tangiert wäre.
Das Erdöl hat sich verteuert
Der Ölpreis verteuerte sich zunächst um 8 Prozent. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI kletterte damit auf 72 Dollar. Die Staaten des Ölkartells Opec+ haben zwar beschlossen, die Produktion zu erhöhen, um Engpässe zu verhindern. Trotzdem erwarten die Märkte ein knapperes Angebot, insbesondere weil der Iran das wichtige Nadelöhr bei der Strasse von Hormuz für längere Zeit blockieren könnte. Rund ein Fünftel des weltweit verbrauchten Erdöls wird auf dieser Route transportiert. Laut Experten könnte der Ölpreis bei einer längeren Dauer des Krieges auf 100 bis 120 Dollar pro Fass steigen.
Die arabischen Aktienmärkte haben entsprechend ebenfalls mit Verlusten reagiert. Der saudische Tadawul All Share Index fiel um über 2 Prozent und verzeichnete damit den grössten Tagesverlust seit April 2025. Gegen den Trend legte die Aktie des Ölkonzerns Saudi Aramco um 3,4 Prozent zu. Dieser ist der mit Abstand grösste Ölproduzent weltweit und kontrolliert etwa 10 Prozent der weltweiten Ölförderung.
Die chinesischen Aktienmärkte hielten sich beinahe stabil. Dass China der bisher grösste Abnehmer von iranischem Öl war, scheint die Investoren nicht zu beunruhigen. Händler verwiesen darauf, dass die Regierung in Peking im Laufe der Woche die Märkte stützen könnte. Energiekonzerne wie PetroChina konnten zulegen, während die Aktien der Fluggesellschaft Air China an Wert verloren.
Spurlos wird der Krieg im Iran allerdings nicht an der Weltwirtschaft vorbeigehen. Die Autofahrer müssen mit höheren Benzinpreisen an der Zapfsäule rechnen. Bereits gestiegen sind die Flugpreise. Ebenso sind die Versicherungsprämien für Frachtschiffe im Nahen Osten markant in die Höhe geschossen. Berechnungen der Europäischen Zentralbank zeigen, dass ein Ölpreisanstieg um zehn Prozent das Potenzialwachstum in der Euro-Zone mittelfristig um 0,2 Prozent reduziert. Umgekehrt gehen Ökonomen davon aus, dass die Inflation um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte zunehmen könnte, womit sich bei einer längeren Kriegsdauer das Risiko einer Stagflation verstärkt.
Die Wirtschaft ist weniger abhängig vom Öl
Dennoch sind Vergleiche mit dem Ölpreisschock in den 1970er-Jahren überzogen. Arthur Jurus von der Finanzgruppe Oddo BHF weist darauf hin, dass die Energieabhängigkeit der Wirtschaft gegenüber damals massiv geringer ist. So ist der Anteil des Öls am globalen Energiebedarf von knapp der Hälfte auf unter 30 Prozent gesunken, was eine Diversifizierung hin zu Gas, Kernenergie und erneuerbaren Energien spiegelt. Zudem war 1973 nahezu ein Barrel Öl erforderlich, um 1000 Dollar Wirtschaftsleistung zu erzeugen. Inzwischen braucht es dazu nur noch 0,43 Barrel.
Trotz dieser beruhigenden Fakten sind die sicheren Häfen an den Finanzmärkten gesucht. Der Goldpreis legte um gut 2 Prozent auf 5400 Dollar pro Unze zu. Mit Spannung wurde an den Märkten auch beobachtet, wie sich der Dollarkurs entwickeln würde. Traditionell ist die US-Währung in einer Krise gesucht, was zu steigenden Kursen führt. Nach dem «Liberation Day» im letzten April, als die US-Regierung weltweite Handelszölle einführte, spielte dieser Mechanismus allerdings nicht mehr und der Dollar reagierte mit starken Verlusten.
Diesmal jedoch hat der Dollar seine Funktion als Weltleitwährung wieder erfüllt. Der Greenback legte gegenüber dem Euro und dem britischen Pfund zu. Selbst der Franken schwächte sich zum Dollar leicht ab. Laut den Währungsexperten der Commerzbank bleibe der Franken indes der ultimativ sichere Hafen. Dass derzeit allerdings nur wenig Kapital in die Schweiz fliesst, ist ebenfalls ein Zeichen dafür, dass sich die Besorgnis an den Märkten vorerst in Grenzen hält. Und es erleichtert zudem die Aufgabe der Schweizerischen Nationalbank, die bis jetzt nicht gegen eine übermässige Aufwertung des Frankens ankämpfen muss.