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Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana waren die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien angespannt. Doch nun zeichnet sich eine Annäherung ab.

Botschafter Gian Lorenzo Cornado bei einem Ortstermin in Crans-Montana am 2. Januar 2026. Im Vordergrund Aussenminister Antonio Tajani.
Alessandro Della Valle / EPA
Genau drei Monate nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana wird Diana Forte, die Chargée d’affaires der italienischen Botschaft in Bern, am Mittwoch in der Kirche Saint-Christophe einen Blumenkranz zum Gedenken an die 41 Opfer niederlegen. Dies hat die Botschaft auf X verlauten lassen.
Mercoledì 1’ aprile 2026 alle 11,00, a tre mesi dalla tragedia di Crans-Montana, l’Incaricata d’Affari dell’Ambasciata d’Italia in Svizzera Diana Forte, deporrà una corona di fiori in ricordo delle 41 vittime presso il memoriale situato accanto alla cappella di Saint-Christophe. pic.twitter.com/xweGVgZeYb
— Italy in Switzerland (@ItalyinCH) March 30, 2026
Die Geste ist ein Zeichen der Solidarität mit den betroffenen Familien und des Mitgefühls für die Angehörigen. Sie hat aber vermutlich noch einen anderen Hintergrund.
Nach dem jüngsten Treffen der italienischen Staatsanwälte mit den Behörden des Kantons Wallis vor einer Woche scheint sich das bilaterale Verhältnis zwischen Bern und Rom allmählich wieder zu verbessern. Bereits machten erste Meldungen die Runde, dass die Rückkehr des nach Italien zurückbeorderten Botschafters Gian Lorenzo Cornado am 1. April zu erwarten sei.
Klima «viel positiver»
So weit ist es noch nicht. Doch nach allem, was man in Rom hört, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Italien wieder regulär mit einem Botschafter in der Schweizer Bundesstadt vertreten sein wird. Von der kleinen Zeremonie in Crans-Montana geht insofern auch ein Signal der diplomatischen Versöhnung aus. «Ich habe das Gefühl, dass sich die Situation endlich auf eine Lösung zubewegt», sagt Toni Ricciardi. Der 48-jährige schweizerisch-italienische Doppelbürger sitzt in der Abgeordnetenkammer in Rom und präsidiert die Gruppe der Freunde der Schweiz.
Vom italienischen Aussenministerium gibt es noch keine offizielle Bestätigung der Rückkehr des Botschafters. «Ich habe noch keine Kenntnis von einem entsprechenden Beschluss», sagt ein Sprecher auf Anfrage. Aber das Klima sei inzwischen «viel positiver» geworden.
Grund dafür ist die Tatsache, dass die Justizbehörden inzwischen zusammenarbeiten. Beim Treffen in Sitten vergangene Woche haben sich die Schweizer Ermittler erstmals inhaltlich mit der römischen Staatsanwaltschaft ausgetauscht, nachdem zuvor lediglich die Modalitäten der Zusammenarbeit definiert worden waren.
Nahe an den italienischen Wünschen
Die italienischen Ermittler konnten Einsicht nehmen in die Untersuchungsakten der Walliser Staatsanwaltschaft. Diese ihrerseits hat offenbar Interesse an den von den Italienern angelegten Dokumenten angemeldet. Dabei soll es sich unter anderem um gerichtsmedizinische Gutachten zu den italienischen Verletzten, die Analysen ihrer Mobiltelefone und die Protokolle der von den italienischen Ermittlern aufgenommenen Zeugenaussagen handeln. Das Schlagwort laute «reciprocità», Gegenseitigkeit, meldete die Nachrichtenagentur Ansa nach dem Treffen. Eine Anfrage der NZZ bei der Staatsanwaltschaft in Rom blieb unbeantwortet.
Es verfestigt sich der Eindruck, dass die von der Meloni-Regierung zunächst lautstark geforderte «gemeinsame Ermittlergruppe» zwar nicht gebildet werden dürfte, dass aber die von der Schweiz zugesagte «verstärkte Zusammenarbeit» den italienischen Wünschen «sehr nahe» kommt, wie die Ansa schrieb. So nahe, dass nun die baldige Rückkehr des Botschafters möglich wird.
Damit könnten die beiden Staaten eine denkwürdige diplomatische Episode abschliessen, die mit dem Rückzug von Botschafter Cornado Ende Januar ihren Anfang genommen hatte. Bis hin zur Regierungschefin Giorgia Meloni und zu ihren beiden Vizeministerpräsidenten, Matteo Salvini und Antonio Tajani, hatten sich italienische Politiker aller politischen Lager empört gezeigt über die damalige Entlassung des Betreibers der vom Brand verwüsteten Bar in Crans-Montana aus der Untersuchungshaft. Italien hat bei der Brandkatastrophe vom 1. Januar sechs jugendliche Staatsangehörige verloren.