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Im letzten Trainerjob ist der 78-Jährige bewusstlos geworden, nun ist er an die Seitenlinie des englischen Zweitligisten Bristol City zurückgekehrt.

Bei Crystal Palace musste Roy Hodgson vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufhören, dann hat er sich zu Hause ein eigenes Fitnessstudio eingerichtet.
Phil Noble / Reuters
«Fussballtrainer zu sein, ist kein Beruf für die Ewigkeit», meinte Jürgen Klopp am vergangenen Wochenende bei einem Legendenspiel in Liverpool – nur um sich sofort selbst zu korrigieren: «Eigentlich stimmt das nicht. Für manche ist es für immer.»
Der deutsche Coach, nach seinem Abschied vom Liverpool FC im Sommer 2024 und einer kurzen Erholungspause nun als globaler Fussballchef im Red-Bull-Konzern tätig, spielte dabei auf seinen Kollegen Roy Hodgson an. Mit spürbarem Respekt. Der Engländer war am vergangenen Donnerstag aus dem Ruhestand zurückgekehrt und unterschrieb als Trainer beim englischen Zweitligisten Bristol City einen Vertrag bis Saisonende – im Rentenalter von 78 Jahren.
Hodgsons Karriere kennt tatsächlich kein Ablaufdatum. Sie erstreckt sich über sechs Jahrzehnte als Spieler und Trainer und gleicht einer halben Weltreise durch den Profifussball. Auch als Nationaltrainer der Schweiz machte er von sich reden: Er führte die Nati nach langer Abstinenz zur WM 1994 und EM 1996.
Der Ruhestand war ein wenig langweilig
Bristol wirkt wie eine kleine Zeitreise – zurück an den Ort seines ersten Trainerjobs in England vor 44 Jahren. Damals übernahm er den Chefposten von seinem Freund Bob Houghton, dem er zuvor assistiert hatte. Schon vier Monate später wurde er wieder entlassen, ohne Bezahlung. Doch das wichtigste Ziel war erreicht: das finanzielle Überleben des chaotischen Drittligisten, der später abstieg. «Ich ging als Gläubiger. Wir mussten zur Bank gehen und um einen Aufschub für unsere Hypothek flehen, weil wir sie nicht bedienen konnten. Trotz allem habe ich gute Erinnerungen, obwohl ich Albträume haben müsste», sagte Hodgson bei seiner Rückkehr.
Diesmal ist die Ausgangslage weniger dramatisch. Sieben Spieltage vor Saisonende liegt Bristol im hinteren Mittelfeld der 24er-Tabelle, komfortabel über den Abstiegsrängen, aber auch weit entfernt von den Aufstiegsplätzen. Der Verein hatte sich zuvor vom Österreicher Gerhard Struber getrennt und will sich für die nächste Spielzeit neu aufstellen. Hodgson soll dabei das Team stabilisieren und seine beinahe unerschöpfliche Erfahrung einbringen. Beides demonstrierte er gleich bei seiner Vorstellung, als er gewohnt offen und charmant eine Dreiviertelstunde lang Fragen beantwortete.
Der frühere Premier-League-Chef Richard Scudamore ist seit Oktober im Vorstand von Bristol und hatte Hodgson kontaktiert – dieser konnte dem Angebot nicht widerstehen. Er habe seine Zeit im Ruhestand zwar vollkommen genossen, berichtete er, aber hin und wieder sei es ein wenig langweilig gewesen: Er habe gemerkt, dass er «tatsächlich vieles» vermisse. Der Trainerjob sei «ein sadistisches Vergnügen», hatte Hodgson einst formuliert. Energie und Enthusiasmus sind ihm nie abhandengekommen – und eine gewisse Eitelkeit wohl ebenfalls nicht.
Roy Hodgsons erste Medienkonferenz bei Bristol City.
«Ich brauche keine Krücke»
Vor zwei Jahren, bei seinem bislang letzten Engagement bei Crystal Palace, musste Hodgson aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Während einer Trainingseinheit war er bewusstlos geworden; ein zu niedriger Blutdruck wurde diagnostiziert. «Ich habe mich an diesem Tag einfach nicht gut gefühlt», erklärte der Veteran rückblickend. Sein Vertrag wurde aufgelöst – so wollte er jedoch sicher nicht abtreten. In Richmond bei London richtete er sich in seiner Wohnung ein eigenes Fitnessstudio ein und hielt sich körperlich fit. Er habe «fünf bis sechs Kilo abgenommen» im Vergleich zu seiner Palace-Zeit. Seine allgemeine Gesundheit sei ebenfalls «ziemlich gut», auch wenn der Rücken gelegentlich Probleme bereite. «Ich brauche keine Krücke», scherzte Hodgson.
Sein Comeback reiht sich ein in eine Saison, in der mehrere Trainer in sehr fortgeschrittenem Alter nochmals engagiert wurden: Der Nordire Martin O’Neill, inzwischen 74, übernahm mit 73 erneut bei Celtic Glasgow, Neil Warnock sprang mit 77 beim Fünftligisten Torquay ein. «Sie sind Youngsters», witzelte Hodgson – selbst wird er im August 79. Die Anforderungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. Erst am vergangenen Sonntag kollabierte der mittlerweile zurückgetretene rumänische Nationaltrainer Mircea Lucescu – 80 (!) Jahre alt – während einer Teamsitzung; zuvor hatte er sein Team bei der WM-Play-off-Niederlage gegen die Türkei (0:1) an der Seitenlinie betreut.
Am Freitag bestreitet Hodgson sein erstes Spiel auswärts in Charlton. Eine dauerhafte Anstellung in Bristol schliesst er aus. Dafür sei er zu alt – und er wolle auch nicht auf der Trainerbank sterben, versicherte er.