#Kim #Jong #steigt #weiter #auf
Die Schwester von Nordkoreas Führer Kim Jong Un übernimmt eine Schlüsselrolle im Zentralkomitee der Arbeiterpartei. Die grosse Frage: Kann sie Diktatorin werden – oder wird dies Kim Jong Uns Teenager-Tochter?

Kim Yo Jong, die Schwester des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un, hat ihre Machtposition gefestigt.
Jorge Silva / Reuters
Nordkoreas Führer Kim Jong Un hat beim 9. Parteitag der Koreanischen Arbeiterpartei seine Dynastie gestärkt. Seine jüngere Schwester Kim Yo Jong wurde zu einer Abteilungsleiterin im Zentralkomitee ernannt und gleichzeitig wieder als alternierendes Mitglied ohne Stimmrecht ins Politbüro, das wichtigste Parteigremium, aufgenommen.
Welche Abteilung sie leitet, ist bislang nicht bekannt. Schon jetzt lässt sich aber sagen: Kim Yo Jong wird die mächtigste Frau in der 77-jährigen Geschichte des von Männern geprägten Landes; eine junge Führerin, die mühelos zwischen aggressiven Beleidigungen ausländischer Politiker und geschmeidiger Diplomatie hin- und herspringt.
Ihr Meisterstück legte die heute vermutlich 38-Jährige 2018 bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea ab. 2017 standen Pjongjang und Washington nach einem nordkoreanischen Atomwaffentest am Rand eines Krieges. Doch plötzlich standen die Zeichen auf Entspannung und Gipfeltreffen. Nordkorea nahm eine Einladung Südkoreas an, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Yo Jong trat damals als charmante Sondergesandte ihres Bruders in Südkorea auf, mit grossem Erfolg. Die «New York Times» befand, sie habe Trumps Gesandten zu den Olympischen Spielen, Vizepräsident Mike Pence, in der diplomatischen Imagepflege übertrumpft.
Südkoreanische Medien tauften sie in Anlehnung an Trumps Tochter «die Ivanka Trump Nordkoreas». Was damals wie ein diplomatischer Auftritt wirkte, war in Wahrheit eine Demonstration ihrer schon damals wachsenden Macht, die ihr mit der Geburt in die Wiege gelegt wurde.
Enges Verhältnis der Diktatorengeschwister
Kim Yo Jong wurde laut unbestätigten Angaben am 26. September 1987 in Pjongjang geboren. Sie war die jüngste Tochter des späteren Machthabers Kim Jong Il.
Von klein auf soll sie weitgehend isoliert mit ihren Geschwistern Kim aufgewachsen sein. 1996 bis 2000 besuchte sie unter einem Pseudonym die öffentliche Schule Liebefeld-Steinhölzli in Bern – dieselbe Stadt, in der ihr Bruder Kim Jong Un ebenfalls inkognito zur Schule ging. Dieses Erlebnis in der Schweiz festigte die Beziehung der beiden Geschwister, sagen Experten.
Zurück in Pjongjang schloss sie 2007 ihr Studium der Informatik an der Kim-Il-Sung-Universität ab und stieg danach ins Familiengeschäft ein: die Herrschaft über Nordkorea. Erste Erfahrung sammelte sie im Privatsekretariat ihres Vaters. Nach Kim Jong Ils Tod im Dezember 2011 avancierte sie schnell zur unsichtbaren Koordinatorin: Sie bestimmte, wer den neuen Machthaber Kim Jong Un sehen durfte – und erlangte damit Einfluss über die gesamte Elite des Landes.
2014 wurde sie offiziell Vizedirektorin der Propaganda- und Agitationsabteilung, der vielleicht mächtigsten Schaltzentrale des Regimes. Sie war dort zuständig für Medienkontrolle, Ideologiepflege und das Management des Personenkults der Familien. Ihr Ziel: das Image Kim Jong Uns zu formen, angelehnt an den Grossvater und Staatsgründer Kim Il Sung, nostalgisch, geradezu väterlich und zugleich zeitgeistig aufgefrischt für das digitale Zeitalter.

2018 assistierte Kim Yo Jong ihrem Bruder Kim Jong Un bei einem innerkoreanischen Gipfeltreffen noch, nun wird sie zu einem eigenen Kraftzentrum.
Pool New / X80003
Wie mächtig ist Kim Yo Jong wirklich?
Zudem entwickelte sie sich zur Adjutantin ihres Bruders, sichtete bei Treffen mit Trump oder anderen ausländischen Führern Dokumente, koordinierte Details und beriet ihren Bruder. Nach dem Scheitern der Gipfeldiplomatie verschwand sie zwar aus dem Politbüro, zeigte aber ab 2020 eine andere Seite: Sie trat als aggressive Propagandistin auf.
Südkoreanische Staatsmänner bezeichnete sie als «Abschaum» und «Hunde». Unter ihrer Propaganda erklärte Nordkorea die Beziehungen zum Süden offiziell zu solchen zwischen «zwei feindlichen Staaten» – die Idee der friedlichen Wiedervereinigung wurde zu den Akten gelegt.Die offene Frage ist allerdings, wie mächtig sie wirklich ist. Einige sehen sie als faktische Nummer zwei, eine Mischung aus Sprachrohr ihres Bruders, Stabschefin und möglicher Thronfolgerin, falls der übergewichtige Diktator plötzlich das Zeitliche segnet.
Andere Experten sehen sie als mögliche Übergangsregentin bis Kim Jong Uns etwa 13-jährige Tochter Ju Ae alt genug zum Regieren ist. Ein Indiz für diese These: Die von Yo Jong geleitete Propagandamaschine zeigt die Teenagerin seit 2022 immer öfter an der Seite von Führer Kim, sogar bei seinem China-Besuch im September 2025. Sie wurde zum «Morgenstern Koreas» erhoben; eine Bezeichnung, die zuvor für ihren Grossvater verwendet wurde.
Südkoreas Nachrichtendienst befand daher Mitte Februar vor einem parlamentarischen Geheimdienstausschuss, die Tochter befinde sich nicht mehr im Stadium des Nachfolge-Trainings für die vierte Diktatorengeneration, sondern der «Nachfolge-Benennung».
Der Parteitag löst diese Frage nicht auf. Aber er zeigt, dass Kim seine Macht konsolidiert hat. Viele alte Spitzenkader wurden in den Ruhestand geschickt, Kim Yo Jong gestärkt. Über Aussenpolitik, die strategische Allianz mit Russland oder den erfolgreichen Aufstieg zur Atommacht sprach der Führer am Montag auf dem Parteitag nicht.
Stattdessen definierte er den neuen Fünfjahresplan als Phase der wirtschaftlichen Stabilisierung. Kim Jong Un sprach von «schrittweiser qualitativer Entwicklung» anstelle der Jagd nach numerischen Zielen. So will er den Menschen offenbar mehr Wohlstand bringen. Die eigentliche Botschaft ist allerdings: Die Kim-Dynastie sitzt fest im Sattel – und Kim Yo Jongs Stern geht weiter auf.

