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Die Fans aus Schottland dürfen an der WM zum Kilt den traditionellen Beutel namens Sporran tragen. Tipps für das Verhalten bei der Sicherheitskontrolle.

Kein Schottenrock ohne den passenden Beutel: Fans mit traditionellem Outfit.
Kristian Tuxen Ladegaard Berg / Sopa / Imago
Ist Gianni Infantino ein Schotte? Es würde einen nicht wundern. Kurz vor der Eröffnung der letzten WM sagte er: «Ich fühle mich wie ein Katarer, ein Afrikaner. Ich fühle mich schwul, behindert und wie ein Gastarbeiter.» Man spürt: Der Fifa-Präsident kann alles sein – warum also nicht Schotte?
Jedenfalls zeigt sein Fussball-Weltverband ein Herz für Schotten. Dieser Tage erliess die Fifa eine Sonderregelung, damit die sympathischen Jungs aus der verregnetsten Ecke Grossbritanniens an den WM-Spielen 2026 ihr traditionelles Outfit tragen dürfen: den Kilt. Wobei es eigentlich nicht um den Schottenrock geht, sondern um das, was dazugehört, den Sporran, einen Beutel aus Leder oder Filz.
Ohne dieses Gürteltäschli fühlt sich der Schotte halbnackt, denn ein echter Kilt hat im Unterschied zu einer Hose keine Taschen. Wohin also mit dem Flachmann voller Whisky, den Zigis, der Fanhupe, den Pyros . . . Stopp! Mein lieber Schotte, all das ist in den WM-Stadien natürlich verboten. Die Ordner werden im Vorfeld geschult und filzen auch Schottentäschchen peinlich genau.
Jedem Fan sei also eine minuziöse Vorbereitung ans Herz gelegt. Dabei könnte die Verbotsliste hilfreich sein, die kürzlich für die Schlussfeier der Olympischen Spiele veröffentlicht wurde. Sie ist sehr lang und enthält zum Beispiel Esswaren (es sei denn, man habe eine ärztliche Verordnung dafür), jegliche Flaschen und Fläschchen, Getränke, Koffer, Tiere jeder Art, Musikinstrumente, Fahrräder, Gift, Waffen . . . Was man halt üblicherweise so mitnimmt ins Stadion.
Klar gibt es die Oberschlauen, die ihr Sandwich provokativ vor dem Ordner noch rasch mampfen und ihr Bier exen. Aber es ist dringend davon abzuraten, sich ein Flakon Shalimar oder sonst ein Duftwasser über den Kopf zu leeren. Man soll ja auch an seine Sitznachbarn denken.
Es ist zu hoffen, dass die Fifa ein wenig kulanter sein wird als die Olympia-Organisatoren. Allerdings ist das zu bezweifeln. Denn die Sonderregelung für den Sporran musste erlassen werden, weil dieser die Normgrösse zulässiger Taschen überschreitet. Googeln Sie doch mal die niedlichen Beutelchen, dann wissen Sie Bescheid: Was Platz bietet für mehr als ein paar Taschentücher, ist grundsätzlich verboten.
Damit ist auch klar, dass Gianni Infantino alles sein kann – nur keine Frau. Er erlässt eine Ausnahmeregelung für Männerbeutel und denkt nicht einen Moment an Handtaschen. Dabei soll es in Schottland und anderswo auch weibliche Wesen geben, die hin und wieder gerne einen Rock tragen und dazu ein passendes Accessoire.
Sollten diese ein WM-Spiel besuchen wollen, könnte sich die Anschaffung eines Sporran lohnen. Schottische Fans gelten als fröhlich und pflegeleicht, vielleicht werden ihre Beutel dank der WM zum nächsten Fashion-Trend. Allerdings ist auch denkbar, dass angesichts der zu erwartenden Täschchenschwemme noch ein Zusatz zur Ausnahmeregelung erlassen wird: Zutritt mit Sporran nur gegen das Vorweisen eines schottischen Passes.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»