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Nach dem Spitzenspiel in der deutschen Bundesliga schwärmt der BVB-Trainer Niko Kovac von der Klasse des Konkurrenten und sagt damit auch etwas über die Grenzen des eigenen Teams aus.

Trotz der Niederlage gegen die Bayern: Trainer Niko Kovac baut seine Spieler auf.
Dennis Ewert / Rhr-Foto / Imago
Im Grunde widerspricht es dem Wesen des Leistungssports, sich mit einer Niederlage zufriedenzugeben. Ein zufriedener Zweiter, das ist eigentlich der perfekte Verlierer, zumindest wenn man die Sache ganz grundsätzlich betrachtet. Allerdings gibt es Situationen, in denen eine Niederlage durchaus als ehrenhaft empfunden werden kann – dann nämlich, wenn die Voraussetzungen äusserst widrig sind.
Davon musste man im Spiel von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern ausgehen. Denn wer die Meldungen verfolgte, die rund um den Westfalenpark kursierten, konnte nur zu dem Schluss kommen: Die Dortmunder stecken in einer Krise. Mit 1:4 hatten sie in Bergamo verloren und sich damit nicht für die Achtelfinals der Champions League qualifiziert. Ein Zusammenbruch, der schwer erklärlich ist und sämtliche Defizite aufzeigte, mit denen die Mannschaft des Trainers Niko Kovac im Bundesliga-Alltag sonst nicht konfrontiert wird.
Insofern war es durchaus verständlich, dass Kovac sich mit dem 2:3 gegen die Bayern zufrieden zeigte. Was die beiden Mannschaften boten, war in der Tat das, was man von einem Spiel erwartet, das mit dem Etikett «Klassiker» versehen wurde: Tempo, Härte, technisches Raffinement und den steten Willen, die Initiative an sich zu reissen.
Die Klasse der Bayern überwog
Das zeichnete beide Teams aus, wobei die Bayern einen wichtigen Vorteil auf ihrer Seite hatten: Die Klasse ihrer Individualisten überwiegt jene der Dortmunder deutlich. Genau darauf blickte Kovac; ja, er wurde geradezu schwärmerisch, als er die Perfektion von Joshua Kimmich beschrieb, der den bayrischen Siegtreffer erzielte: «Das ist dann eben der Unterschied.»
Damit sagte Kovac ausdrücklich auch: Eine solche Klasse haben wir nicht. Er beschrieb mit diesem Satz nicht nur das Dilemma seiner Tätigkeit, sondern das der gesamten Liga. Wie ist mit einem Konkurrenten umzugehen, der geradezu entrückt ist?
Die einzige plausible Antwort darauf kann nur lauten: so, wie die Dortmunder es am Samstag taten. Doch sie kamen nicht umhin, den Fakt anzuerkennen, dass die Bayern sich ihre eigene Liga geschaffen haben – nicht erst seit gestern, aber unter dem Trainer Vincent Kompany in besonderem Masse: Harry Kane, Luis Díaz, Serge Gnabry und Michael Olise bilden eine Offensive, die gegenwärtig zu den besten Europas zählt. Dass der BVB, wie alle anderen deutschen Klubs, da nicht mithalten kann, dies findet Kovac nicht weiter beklagenswert. Schliesslich habe man Spieler, die sich erst noch entwickelten – Talente, die auf das höchste Niveau vorstossen könnten.
Die Grenzen des Dortmunder Geschäftsmodells
Damit beschrieb der Trainer das etablierte Dortmunder Geschäftsmodell, das während des letzten Jahrzehnts ausgesprochen viel Geld in die Vereinskasse gespült hat: Es geht darum, Talente zu erspähen, bevor es die Konkurrenz tut. Darin war der BVB ausgezeichnet. Ousmane Dembélé, Erling Haaland, Jude Bellingham, Jadon Sancho – das sind nur die bekanntesten Namen, die in Dortmund gross wurden: ein Weltfussballer und mindestens zwei potenzielle Kandidaten für diesen Titel. Der BVB lockte sie mit dem Versprechen, dass sie sich auf grosser Bühne einen Namen machen könnten.
Im Kader der Dortmunder befindet sich derzeit niemand, der die Hoffnung auf eine solch gewaltige Entwicklung rechtfertigen würde. Es ist jedoch eine Solidität, deren Wert manchmal verkannt wird, die den jüngsten Zuwachs der Dortmunder kennzeichnet – etwa Jobe Bellingham, der jüngere Bruder des unermüdlichen Jude, der mittlerweile für Real Madrid kickt. Im Mittelfeld kümmert er sich gemeinsam mit dem deutschen Nationalspieler Felix Nmecha um Absicherung und Aufbau: gediegen, versiert, entwicklungsfähig, aber eben auch nicht spektakulär.
Dies entspricht auf sonderbare Weise dem Konzept des Trainers Niko Kovac: Ein Zauberer ist der Mann gewiss nicht, sondern eher ein Pragmatiker, der aus den gegebenen Mitteln eine Menge zu machen versteht. Mit Eintracht Frankfurt wurde er Cup-Sieger und qualifizierte sich auf diese Weise für den FC Bayern, wurde dort allerdings nach nicht einmal anderthalb Jahren entlassen. Nun ist Scheitern im Münchner Primadonnen-Biotop nicht unbedingt einmalig. Ein solcher Trainer muss für den BVB längst nicht die zweite Wahl sein.
Der BVB verzeichnet nur zwei Niederlagen in der Liga
Dennoch bleibt das Urteil mancher Fans hart, besonders unter dem Eindruck des Auftritts gegen Bergamo. Daran ändert auch der couragierte, aber eben doch nicht makellose Auftritt gegen die Bayern nichts. Es gerät in Vergessenheit, dass die Arbeit des Kroaten von einer hohen Konstanz geprägt ist: Trotz der Niederlage verzeichnet der BVB beachtliche 51 Punkte nach 24 Spieltagen.
Das ist ein mehr als passabler Wert. Während der gesamten Saison haben die Dortmunder in der Liga nur zweimal verloren – eben gegen den FC Bayern. Damit hat der BVB lediglich eine Niederlage mehr auf dem Konto als sein härtester Konkurrent.
Dies wird oft nicht beachtet, wenn die Spielidee des Trainers generell infrage gestellt wird. Dass Kovac eher als Sicherheitsfanatiker denn als Offensivapostel gilt, ist ein Vorwurf, den man häufig hört. Dass es allerdings ganz anders geht, zeigte gerade der Auftritt gegen die Bayern. Doch am Ende bestätigte selbst der Umstand, dass sie den Münchner Verteidigern alles abverlangten, bloss die Ausnahmestellung des Teams von Vincent Kompany. Und so blieb Niko Kovac nichts weiter, als in Aussicht zu stellen, sich als Zweiter hinter den Bayern souverän für die Champions League qualifizieren zu wollen. Eine klarere Hierarchie ist in der Fussballbundesliga tatsächlich nicht vorstellbar.