#Auf #Eli #Lilly #und #Roche #wartet #Milliardengeschäft
Zurzeit nehmen erst zehn Prozent der betroffenen Amerikaner Medikamente gegen Fettleibigkeit ein. Die beiden Anbieter Novo Nordisk und Eli Lilly hoffen nun aber auf den Durchbruch – vor allem dank Tabletten.

Schlankheitsmittel werden in den USA grossflächig beworben.
Richard B. Levine / Imago
So eilig hatte es die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA zuvor noch kaum mit einem neuen Medikament. Sie hat die Abnehmpille Foundayo des US-Pharmakonzerns Eli Lilly innerhalb von weniger als vier Monaten nach Eingang des Zulassungsgesuchs zur Vermarktung freigegeben. Das Produkt profitierte dabei von einem beschleunigten Verfahren, das die Regierung unter Präsident Donald Trump für Medikamente mit einem besonders hohen Bedarf eingeführt hat.
Amerikanische Patienten, die unter starkem Übergewicht beziehungsweise unter Fettleibigkeit leiden, haben damit neu die Wahl zwischen zwei Tabletten. Das Abnehmmittel Wegovy des dänischen Konkurrenten Novo Nordisk war zur oralen Verabreichung bereits im Dezember zugelassen worden. Zudem stehen Patienten Abnehmspritzen von diesen beiden Konzernen zur Verfügung. Auch diese gehören zur Kategorie der sogenannten GLP-1-Antagonisten und haben sich für Novo Nordisk und Eli Lilly seit ihrer Lancierung schon zu einem Milliardengeschäft entwickelt.
Über 100 Millionen Fettleibige in Amerika
Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die beiden Unternehmen mit ihren Therapien gegen Fettleibigkeit zusammengerechnet einen Umsatz von knapp 18 Milliarden Dollar. Marktbeobachter gehen davon aus, dass bis 2030 der Markt in diesem Bereich ein Volumen von über 100 Milliarden Dollar erreichen wird.
Fettleibigkeit nimmt vor allem wegen ungünstiger Ernährungsgewohnheiten weltweit seit Jahren stark zu. Allein in den USA sind mittlerweile über 100 Millionen Personen beziehungsweise rund 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen. Laut Eli Lilly werden zurzeit aber noch weniger als 10 Prozent von ihnen mit einem GLP-1-Arzneimittel behandelt.
Ein wichtiger Faktor bei der noch niedrigen Marktdurchdringung ist, dass längst nicht alle Betroffenen in den USA die Kosten von ihrer Krankenversicherung zurückerstattet bekommen. Die Präparate haben auch verbreitet Nebenwirkungen. Im Fall der neuen Abnehmpille sind dies, wie Eli Lilly in der Medienmitteilung zur Marktzulassung erwähnt, unter anderem Brechreiz, Verstopfung, Durchfall, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Haarausfall. Bei den Abnehmspritzen kämpfen die Anbieter zudem damit, dass sich viele Patienten ungern Medikamente injizieren.
Eine Pille pro Tag
Mit den Pillen hoffen die Pharmafirmen ein grösseres Publikum anzusprechen. Beim Präparat von Eli Lilly genügt die Einnahme einer Kapsel pro Tag. Auch die Pille von Novo Nordisk muss nur einmal pro Tag geschluckt werden. Allerdings müssen Patienten bei der morgendlichen Einnahme nüchtern sein und dürfen danach eine halbe Stunde lang weder essen noch trinken.
Für die Kapseln von Eli Lilly gelten diese Einschränkungen nicht. Manche Analysten glauben denn auch, dass der US-Konzern daraus einen Vorteil ziehen wird. Hingegen erwies sich das Produkt der Amerikaner in den klinischen Studien mit einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 11 Prozent aber als etwas weniger wirksam als das Präparat von Novo Nordisk. Dieses ermöglichte den Patienten, im Durchschnitt knapp 14 Prozent an Gewicht zu verlieren.
Eli Lilly wirbt damit, dass Selbstzahler die neue Abnehmpille in der tiefsten Dosierung ab 149 Dollar pro Monat erwerben könnten. Amerikaner, deren private Krankenversicherung die Kosten übernimmt, müssten im günstigsten Fall nur 25 Dollar aus der eigenen Tasche berappen.
Auf Versicherer rollt Kostenlawine zu
Laut Analysten des Wertschriftenhauses RBC Capital Markets kommen auf die privaten Versicherer zugleich monatliche Kosten von 649 Dollar zu. Pro Jahr sind das fast 8000 Dollar für eine Therapie, die in der Regel nicht abgesetzt werden kann. Das amerikanische Gesundheitswesen, das schon heute mit Abstand das teuerste der Welt ist, wird wegen der Abnehmmittel beträchtliche Mehrausgaben zu bewältigen haben.
Analysten der amerikanischen Grossbank J. P. Morgan rechnen damit, dass die neue Abnehmpille Eli Lilly im laufenden Jahr erst 1 Milliarde Dollar einbringen wird. Der Pharmakonzern werde für das Produkt zunächst die Werbetrommel rühren müssen, begründen die Marktbeobachter ihre zurückhaltende Einschätzung. 2027 soll der Umsatz nach ihrer Erwartung aber bereits 6 Milliarden Dollar erreichen und sich dann bis 2030 auf 21,5 Milliarden Dollar mehr als verdreifachen.
Roche profitiert mit
Bei der Bank Vontobel weist man darauf hin, dass auch der Basler Pharmakonzern Roche üppige Mehreinnahmen einkalkulieren kann. Die Analysten des Instituts schätzen, dass Roches japanische Tochterfirma Chugai als Erfinder des Wirkstoffs Orforglipron Anspruch auf 12 Prozent des Umsatzes mit der neuen Abnehmpille hat. Bei einem Spitzenumsatz von 20 Milliarden Dollar sollten so ungefähr 1,5 Milliarden Dollar an Roche fliessen.
Der Pharmakonzern aus der Schweiz partizipiert aufgrund seiner 60-Prozent-Mehrheitsbeteiligung an den Einkünften des japanischen Unternehmens. Aussicht auf noch viel höhere Einnahmen hätte Roche indes gehabt, wenn Chugai damals selbst an das Geschäft mit Schlankheitsmitteln geglaubt und den Wirkstoff 2018 nicht an Eli Lilly veräussert hätte.
In der Schweiz und in der EU befindet sich das neue Medikament noch im Zulassungsverfahren. Zur Dauer könne man keine Prognosen machen, erklärt Eli Lilly auf Anfrage.