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Angela Merkel kehrt überraschend auf die Bühne der CDU zurück. Beim Parteitag nahe Stuttgart wird sie zwar nur als Ehrengast erwartet – doch ihre Teilnahme wirft Fragen nach ihrem Motiv auf.
Besuch der alten Dame: Angela Merkel kommt zum CDU-Bundesparteitag.
Marc John / Imago
Es ist eine kleine Sensation. Zum ersten Mal seit 2019 ist die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder bei einem CDU-Parteitag dabei. Die Einladungen zu den Bundesparteitagen 2022 und 2024 hatte sie zuvor nicht angenommen.
Nun ist sie wieder dabei. Beim 38. Parteitag der CDU am 20. und 21. Februar in der Nähe von Stuttgart. Wahrscheinlich nur als Zuschauerin – eine Rede oder ein öffentlicher Auftritt werden nicht erwartet. Auch andere Ehemalige sind dabei: der Ex-Kanzlerkandidat Armin Laschet und die frühere Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer haben ebenfalls zugesagt.
Im Jahr 2024 begründete ihr Büro die Ablehnung von Medienanfragen noch mit den Worten: «Dies entspricht dem von ihr wiederholt – sowohl gegen Ende ihrer Amtszeit als auch seither – öffentlich erläuterten nachamtlichen Verständnis, nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik grundsätzlich nicht an tagesaktuellen Ereignissen teilzunehmen.» Auf die Nachfrage, ob sich ihr «nachamtliches Verständnis» inzwischen gewandelt habe, teilte Merkels Büro nun mit: «Nein, die Ausnahme bestätigt die Regel.»
Ein nüchterner Aphorismus, der zur Altkanzlerin passt. Merkel entscheidet situativ, ob eine Veranstaltung nützt oder eher kontraproduktiv wirkt. Seit ihrem Ausscheiden aus dem Kanzleramt ist sie immer wieder mit politischen Zwischenrufen aufgefallen. So kritisierte sie im Januar 2025 die Entscheidung der Unionsfraktion, einen migrationspolitischen Antrag im Bundestag mit Unterstützung der AfD durchzusetzen. Sie bezeichnete es als «falsch», dass es dabei zu einer Mehrheit mit AfD-Stimmen gekommen war.
Rückkehr der Altkanzlerin
Im Oktober 2025 besuchte Merkel zudem Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban in Budapest. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil das Verhältnis der beiden während der Flüchtlingskrise 2015 deutlich angespannt war. Doch Merkel hatte ein Ziel. Bei dem Besuch ging es um die Vorstellung der ungarischen Übersetzung ihrer Memoiren «Freiheit. Erinnerungen 1954–2021».
Gibt es ähnliche Beweggründe für ihre Teilnahme an diesem Parteitag? Um eine mögliche Kandidatur als nächste Bundespräsidentin geht es wohl nicht. Für die Nachfolge im Amt von Frank-Walter Steinmeier wurde auch die Altkanzlerin gehandelt. Doch dies wies Merkel als «abwegig» zurück.
Zwischen Nähe und Distanz
In der Parteispitze bemüht man sich derweil, Merkels Erscheinen als völlig normalen Vorgang darzustellen. Die CDU steht nach kommunikativen Fehlgriffen – etwa in der Debatte über «Lifestyle-Teilzeit» und die Abschaffung telefonischer Krankschreibung – sowie mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg unter Druck. Im besten Fall sendet Merkels Präsenz ein Signal der Geschlossenheit.
Von einer Aussöhnung zwischen der Altkanzlerin und der Partei, «die ihr nahesteht», wie Merkel es einmal formulierte, kann dennoch kaum die Rede sein. Mit einigem Missmut wurde in der Partei registriert, dass sie frühere Parteitage ausliess, 2024 jedoch die Abschiedsrede für den Grünen-Politiker Jürgen Trittin hielt, als dieser aus dem Bundestag ausschied. Auch ihre gelegentlichen Einmischungen aus dem Hintergrund stiessen auf wenig Gegenliebe.
Wenig freundschaftlich ist bekanntlich auch das Verhältnis zwischen Merkel und Friedrich Merz. 2002 verlor er den Fraktionsvorsitz an sie. 2018 trat er zudem gegen Merkels Favoritin Annegret Kramp-Karrenbauer im Rennen um den Parteivorsitz an – und unterlag. Auch über die inhaltliche Ausrichtung der CDU waren sich die beiden die längste Zeit uneins: Merkel setzte sich als Kanzlerin durch und rückte die Union in eine deutlich sozialliberalere Richtung. Merz hingegen steht für eine Ausrichtung der CDU als Partei der rechten Mitte.
Trotz alledem dürfte Merz gleichwohl die Gepflogenheiten wahren und seine frühere Rivalin in seiner Rede betont höflich begrüssen. Interessant wird, wer am Ende den längeren Applaus beim Parteitag erhält: Merkel oder Merz.
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