#Warum #Aufräumen #sofort #glücklich #machen #kann
Mit den ersten warmen Tagen wächst bei vielen der Drang aufzuräumen. Dahinter steckt mehr als Tradition: Ordnung kann Kontrolle vermitteln und das Gehirn entlasten. Dazu kommt ein Gefühl von Selbstwirksamkeit – zumindest für kurze Zeit.
Auf zum Wohnungsputz!
Illustration Anja Lemcke / NZZ
Wenn der Frühling kommt, plagt viele Menschen das Gefühl, wieder einmal einen Grossputz veranstalten zu müssen. Doch es ist durchaus ratsam, sich dieser Herausforderung zu stellen, denn wer Ordnung in seine Wohnung bringt, schafft Ordnung in seinem Leben.
Fachleute betonen, dass gerade im Frühling das Aufräumen für viele Menschen wie ein symbolischer Neustart wirke. Nicht umsonst gibt es den Frühjahrsputz: Das Entrümpeln alter Dinge und das Wiederaufleben vorhandener Sachen signalisiert den Beginn einer neuen Phase. Doch warum macht uns Ordnung glücklich?
Kontrolle
Ein zentraler Faktor ist die wahrgenommene Kontrolle über die eigene Umgebung. Eine oft zitierte Studie der University of California (UCLA) hat 2009 untersucht, wie Menschen über ihre Wohnräume sprechen. Personen, die ihre Wohnungen häufiger als chaotisch oder überfüllt beschrieben, zeigten laut der Studie im Tagesverlauf höhere Stresswerte, welche unter anderem messbar sind an ihrem Cortisolspiegel. Ordnung im Wohnraum stand dagegen mit geringerem Stress in Verbindung.
Entscheidungsreduktion
Unordnung erhöht die Zahl der Mikroentscheidungen im Alltag: Wo liegt etwas? Was gehört wohin? Was soll ich zuerst tun? In der Verhaltenspsychologie spricht man von «decision fatigue», einer mentalen Ermüdung durch zu viele Entscheidungen. Eine aufgeräumte Umgebung reduziert diese kognitive Belastung. Weniger visuelle und organisatorische Unklarheit kann deshalb das Gefühl von mentaler Klarheit erhöhen.
Kognitive Entlastung
Ein Experiment der Princeton University hat gezeigt, dass visuelle Unordnung die Verarbeitungskapazität des Gehirns beansprucht. Die kognitive Entlastung ist deshalb ein weiterer Faktor für das Glücksgefühl im Frühling. Wenn viele Objekte gleichzeitig sichtbar sind, konkurrieren sie um unsere Aufmerksamkeit. Räumt man die Wohnung auf und verstaut Dinge, reduziert dies die Reizüberflutung. Konzentration und Informationsverarbeitung fallen leichter.
Psychologischer Effekt
Hinzu kommt der psychologische Effekt des Zielerreichens, besonders wenn man sich kleine, überschaubare Aufgaben setzt. Wer sich etwa vornimmt, am Wochenende die linke Seite des Kleiderschranks auszumisten, kann dieses Ziel gut erreichen. Das Gehirn reagiert auf erfolgreich erledigte Aufgaben mit einer Belohnungsreaktion. Forschende haben gezeigt, dass dabei das dopaminerge Belohnungssystem aktiviert wird – dasselbe Netzwerk, das auch bei anderen Erfolgserlebnissen anspringt. Deshalb können schon kleine Aufräum‑ oder Ordnungsaktionen ein spürbares Glücksgefühl auslösen.
Situativer Stimmungsregulator
Allerdings bleibt der Effekt meist nicht dauerhaft bestehen. Aufräumen verändert kurzfristig die Umgebung, aber nicht unbedingt die Ursachen von Stress oder Überforderung. Damit stellt sich auch die Frage: Ist man gestresst, weil es unordentlich ist, oder ist die Wohnung unordentlich, weil man gestresst ist? Psychologen sprechen von einem situativen Stimmungsregulator: Ordnung kann kurzfristig entlasten und das Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken, ersetzt jedoch keine strukturellen Veränderungen im Alltag.
Dennoch gehört Aufräumen zu den wenigen Tätigkeiten, bei denen Aufwand und sichtbares Resultat unmittelbar zusammenfallen. Die Aufgabe hat einen klaren Anfang und ein klares Ende – und dort steht das Badezimmer, ein Schreibtisch oder ein Kleiderschrank, der tatsächlich ordentlich aussieht.
Genau darin liegt auch ein Moment von Selbstwirksamkeit: Wenn Menschen sehen, dass eine Handlung ein sichtbares Ergebnis erzeugt, stärkt das die Überzeugung, Dinge aktiv verändern zu können. In einer komplexen und schnelllebigen Welt kann schon das genügen, um sich für einen Moment handlungsfähig und positiv zu fühlen.
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