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USA und Israel feiern Erfolge – aber das iranische Regime wankt nicht

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Die militärischen Arsenale Irans werden schrittweise zerstört. Gleichzeitig scheint die Hoffnung auf einen Volksaufstand in der Islamischen Republik zu verpuffen. Wie lassen sich die operativen Erfolge in einen strategischen Sieg ummünzen?

Bei einer Kundgebung anlässlich des sogenannten Kuds-Tags strömen am Freitag Anhänger des Regimes auf die Strassen von Teheran.

Fatemeh Bahrami / Imago

Das iranische Regime scheint sein Selbstvertrauen wiedergefunden zu haben: Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn haben sich am Freitag hochrangige Politiker und Kleriker auf den Strassen Teherans gezeigt – inmitten von Tausenden Regime-Anhängern. Präsident Masud Pezeshkian, Aussenminister Abbas Araghchi und Ali Larijani, der Sekretär des Sicherheitsrates, mischten sich scheinbar unbekümmert unters Volk. In der Masse fühlten sie sich offensichtlich sicher.

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Obwohl Teheran seit zwei Wochen im Bombenhagel steht, liessen sich die Machthaber die Durchführung des sogenannten Kuds-Tags nicht nehmen. Es handelt sich dabei um eine staatlich organisierte Massendemonstration gegen die israelische Besetzung Jerusalems, die immer während des Fastenmonats Ramadan stattfindet und an der noch lauter als sonst Israel und die USA verflucht werden.

So ganz liess sich der Krieg aber doch nicht verdrängen: Mit einem Mal krachte in unmittelbarer Nähe des Protestmarsches ein Projektil in ein Gebäude und liess eine Rauchsäule in den Himmel steigen. Trotz der augenscheinlichen Machtdemonstration durch Israel oder die USA wurde der Umzug fortgesetzt. Die Episode steht fast schon symbolisch für den Verlauf dieses Krieges: Zwar können Washington und Jerusalem praktisch unbehindert Ziele im ganzen Land bombardieren – aber das Regime in Teheran wankt nicht.

«Taktisch komplexes Umfeld»

Der amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth stellt den Krieg gegen die Islamische Republik derweil als durchschlagenden Erfolg dar. Das iranische Militär werde in einer Art und Weise dezimiert, wie es die Welt noch nie gesehen habe, es sei kampfunfähig, sagte er in einer Pressekonferenz im Pentagon am Freitag. Mehr als 15 000 Ziele seien bereits getroffen worden.

Doch als ihn eine Journalistin auf die anhaltende Blockade der Strasse von Hormuz ansprach, antwortete Hegseth ungelenk: «Das Einzige, was den Transit in der Meerenge derzeit verhindert, ist, dass Iran Schiffe beschiesst. Der Schiffsverkehr wäre möglich, wenn Iran dies nicht täte.» Der daneben stehende Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, Dan Caine, warf ein, es handle sich bei der Strasse von Hormuz um ein «taktisch komplexes Umfeld». Laut einem Bericht des «Wall Street Journal» soll nun Verstärkung in die Region geschickt werden – eine amphibische Einsatzgruppe, bestehend aus mehreren Kriegsschiffen und tausenden Marineinfanteristen.

Auf dem Schlachtfeld haben Israel und die USA durchaus die Oberhand: Sie haben Dutzende Schiffe der iranischen Marine zerstört und dafür gesorgt, dass der Raketenbeschuss auf andere Länder in der Region drastisch abgenommen hat. Dennoch ist die Islamische Republik nach wie vor in der Lage, jeden Tag Angriffe auf Israel und die Golfstaaten zu lancieren und die globalen Energiemärkte in Aufruhr zu versetzen.

Die USA müssen auch weitere Rückschläge hinnehmen. Am Donnerstag stürzte im Westen des Iraks ein amerikanisches Tankflugzeug ab, nachdem es offenbar zu einer Kollision mit einem anderen Flugzeug gekommen war. Letzteres konnte zwar sicher in Israel landen. Doch bei dem Absturz kamen sechs Militärangehörige ums Leben. Damit erhöht sich die Zahl der amerikanischen Todesopfer seit Kriegsbeginn auf dreizehn. Zudem wurde bei einem Drohnenangriff auf eine Militärbasis nahe der irakischen Stadt Erbil ein französischer Soldat getötet.

Die Definition des Sieges

Je länger der Krieg andauert, desto mehr stellen Beobachter die Frage, worauf er hinauslaufen soll. Auf der operativen Ebene hätten die USA und Israel bemerkenswerte geheimdienstliche und militärische Überlegenheit bewiesen, schreibt der israelische Sicherheitsexperte Danny Citrinowicz. «Doch operativer Erfolg ist nicht gleichbedeutend mit strategischem Erfolg, insbesondere wenn der Kampagne immer noch klar definierte und messbare strategische Ziele fehlen.»

Der amerikanische Politikwissenschafter und Luftkrieg-Experte Robert Pape schreibt gar, dass Iran diesen Krieg strategisch gewinnen könnte: «Das Regime festigt seine Macht, spaltet die Koalition zwischen den USA und den Golfstaaten und schürt eine globale Energiekrise.» Washington habe die Kontrolle über die Eskalationsdynamik verloren.

Inzwischen scheint denn auch die von den USA und Israel gehegte Hoffnung auf einen Volksaufstand der Iraner und einen damit einhergehenden Regimewechsel zu verpuffen. Zwar betonte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in seiner ersten Pressekonferenz seit Kriegsbeginn am Donnerstagabend, dass man die Bedingungen für Massenproteste der Regimegegner schaffe, indem man etwa Checkpoints der iranischen Sicherheitskräfte in Teheran bombardiere.

Mit Sicherheit könne er aber nicht sagen, dass das iranische Volk das Regime stürzen werde: «Man kann jemanden zum Wasser führen – man kann ihn aber nicht zum Trinken zwingen.» Am Freitag gestand auch Donald Trump in einem Interview ein, dass ein Umsturz durch das Volk wohl nicht unmittelbar bevorstehe: «Das ist wirklich eine grosse Hürde für Menschen, die keine Waffen besitzen.»

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters gehen auch die amerikanischen Geheimdienste davon aus, dass das iranische Regime weitgehend intakt ist und nicht vor dem Kollaps steht. So bleibt auch zwei Wochen nach Kriegsbeginn unklar, wie Washington und Jerusalem dereinst ihren «Sieg» definieren wollen.