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Trump und Modi verkünden Détente im Handelsstreit

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Der amerikanische Präsident schreibt, dass Indien für mehr als 500 Milliarden Dollar Güter in den USA kaufen und kein russisches Erdöl mehr beziehen werde. Experten glauben nicht, dass Delhi solche Zusagen einhalten könnte.

Ein Bild aus schlechteren Zeiten, als Donald Trump hohe Strafzölle gegen Indien verhängt hatte. Nun haben sich Trump und Modi auf eine Détente im Handelsstreit geeinigt.

Rajanish Kakade / AP

Indien und die USA wollen ihren Handelsstreit beilegen, oder zumindest deutlich entschärfen. Dies geht aus Nachrichten von US-Präsident Donald Trump sowie von Indiens Premierminister Narendra Modi hervor. Trump verkündete am Montag auf «Truth Social», dass eine Einigung in einem Telefongespräch mit Modi, «einem meiner besten Freunde», zustande gekommen sei. Der Einfuhrzoll auf indische Güter soll nun auf 18 Prozent gesenkt werden.

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Trump schrieb, dass Indien seine Einfuhrzölle auf amerikanische Güter gegen null reduzieren, nichttarifäre Handelshemmnisse beseitigen und aufhören werde, russisches Erdöl zu importieren. Stattdessen werde es viel mehr Öl aus den USA und womöglich aus Venezuela beziehen. Zudem werde Indien «mehr als 500 Milliarden Dollar» an amerikanischen Gütern kaufen; Trump nannte Energie, Kohle, Technologie und Agrargüter als Beispiele.

Unrealistische Versprechen

Narendra Modi fasste sich in seiner Nachricht auf der Plattform X etwas kürzer, als er das Resultat des Gesprächs mit seinem «lieben Freund Präsident Trump» resümierte. «Erfreut, dass ‹Made in India›-Produkte nun einen reduzierten Zollsatz von 18 Prozent haben», schrieb er, bevor er sich im Namen von 1,4 Milliarden Einwohner Indiens bei Trump bedankte.

Modi äusserte sich aber nicht dazu, wie sein Land Trump entgegenkommen wird. Es bleibt abzuwarten, ob Indien tatsächlich derart weitreichende Zugeständnisse gemacht hat, wie der amerikanische Präsident schreibt – und wie bindend diese Zusagen sind. Handelsexperten hoben umgehend hervor, dass einige davon kaum umsetzbar seien.

Das gilt vor allem für die 500 Milliarden Dollar an Einkäufen aus den USA. Indien hat 2024, gemäss Zahlen des Handelsbeauftragten der USA, amerikanische Güter im Wert von 41,5 Milliarden importiert. Entweder müsste Indien diese Importe verzwölffachen, oder aber die versprochenen Käufe erstrecken sich über mehrere Jahre. Das wiederum würde es Delhi ermöglichen, Trump hinzuhalten.

Wenig realistisch dürfte auch sein, dass Modi gleich sämtliche Importzölle auf amerikanische Güter aufheben lässt. Indien hat seit seiner Unabhängigkeit 1947 eine stark isolationistische Handelspolitik betrieben und den eigenen Binnenmarkt mit hohen Zöllen abgeschottet. Erst unter Modi hat Indien seine Handelspolitik schrittweise liberalisiert – und etwa mit der Schweiz ein Freihandelsabkommen abgeschlossen.

Fraglich ist ferner, ob Indien seine Erdöl-Käufe aus Russland tatsächlich komplett einstellen wird. Diese Importe nahmen ab 2022 rasch zu, als Europa und die USA begannen, wegen der russischen Invasion der Ukraine Sanktionen gegen Moskau zu verhängen. Indien profitierte dabei vom Preisdeckel auf russisches Erdöl, den der Westen verhängt hatte, und kaufte den Energieträger zu sehr günstigen Konditionen.

Nachdem Washington den Käufern von russischem Öl zuletzt aber immer schärfer gedroht hatte, hat Indien seine Importe aus Russland im Januar spürbar reduziert.

Doch Delhi hat traditionell gute Beziehungen zu Russland und ist seit vielen Jahrzehnten einer der besten Kunden der russischen Waffenindustrie. Indien nutzte diese Beziehungen stets, um seine Position gegenüber den USA, China oder Europa auszubalancieren. Diesen Trumpf dürfte Modi nicht aus der Hand geben.

Indische Exporteure atmen auf

Wie auch immer die Bedingungen letztlich aussehen werden: Ein Abkommen zwischen Modi und Trump käme indischen Exporteuren sehr entgegen, die gegenüber anderen asiatischen und europäischen Ländern zuletzt im Nachteil waren. Zum einen hatte Trump Indien, im Rahmen seiner Strategie der «reziproken Zölle», im vergangenen Sommer Einfuhrgebühren von 25 Prozent auferlegt. Später kamen weitere Strafzölle von 25 Prozent hinzu, weil Indien weiterhin Erdöl aus Russland kaufte.

Was bisher über den indischen «Deal» bekanntgeworden ist, erinnert stark an die Abkommen anderer Handelspartner mit Trump. Sie haben ihre Streitigkeiten ebenfalls durch luftige und teilweise wenig glaubwürdige Absichtserklärungen eingedämmt.

Die EU beispielsweise versprach im Juli 2025, in den kommenden drei Jahren für 750 Milliarden Dollar Energieträger aus den USA zu beziehen, allen voran Erdöl und verflüssigtes Erdgas, aber auch Nuklearbrennstoffe. Falls der Öl- und Gaspreis nicht wieder explodieren sollten, müsste die EU ihre Unternehmen verpflichten, einen Grossteil all ihrer Energieimporte aus den USA zu beziehen, auf Kosten etwa von etablierten Partnern wie Norwegen. Das ist illusorisch.

Auch Japan und Südkorea haben versucht, Trump mit grossen Investitionsversprechen milde zu stimmen, was im Fall von Seoul aber nur kurzzeitig funktioniert hat. Vor einer Woche hat Trump angekündigt, den bilateralen Strafzoll gegen Südkorea wieder von 15 auf 25 Prozent zu erhöhen, weil sich der Handelspartner mit der Ratifizierung des Abkommens zu viel Zeit gelassen habe.

Handelsabkommen unter Trumps Zoll-Opfern

Nicht nur für Indien, sondern auch für Trump selbst kommt eine Détente im Handelsstreit mit Delhi zum richtigen Zeitpunkt. Seine Wirtschaftspolitik ist in den USA selbst zunehmend unbeliebt. Zudem haben die bisherigen Verbündeten begonnen, ihre Abhängigkeit von den USA zu reduzieren – teilweise mit rein symbolischen Schritten, teilweise mit substanziellen Abkommen. Kanada und Grossbritannien haben sich China wieder angenähert, während die EU Abkommen mit Südamerika und eben erst mit Indien geschlossen hat.

Indien hat seinerseits auf Trumps Zoll-Offensive nicht – wie China – mit aggressiven Gegenmassnahmen reagiert. Es hat aber ebenfalls auffällige Schritte unternommen, um Alternativen zum US-Exportmarkt zu eröffnen. Einerseits hat Modi die Spannungen mit China reduziert, die seit den tödlichen Grenzscharmützeln im Himalaja 2020 bestanden hatten. Andererseits hat Indien mit der EU ein weitreichendes Handelsabkommen unterzeichnet.

Indien ist derzeit die am schnellsten wachsende grössere Volkswirtschaft der Welt, mit einer Wachstumsrate von mehr als 7 Prozent. In der Rangliste der grössten Volkswirtschaften ist es dabei, Japan auf Rang vier abzulösen; Deutschland auf Rang drei ist auch nicht mehr allzu weit entfernt. Noch sind die USA in der Handelsbeziehung klar am längeren Hebel, im Lauf der kommenden Jahre dürfte das Verhältnis der beiden Mächte aber ausgeglichener werden.