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Nazi-Verbindungen der Bank Hofmann: Gefahr für die UBS

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Der amerikanische Ermittler Neil Barofsky will neue Beweise gefunden haben, dass die Bank Hofmann stärker mit den Nazis verbunden war als bislang bekannt. Sie könnten Teil einer neuen Klage gegen die Nachfolgebank UBS werden.

Handlanger des Dritten Reichs: Die Bank Hofmann verkaufte laut Bergier-Bericht gestohlene Vermögenswerte der Nazis – und erwarb mit dem Erlös Obligationen deutscher Firmen. (Symbolbild)

RDB / Ullstein Bild

Für einmal sassen die UBS-Manager nicht am längeren Hebel. Wer in dem Saal in Washington das Sagen hatte, war klar: Hinter schmalen, schwarzen Tischen mussten der USA-Chef Rob Karofsky und die Chefjuristin Barbara Levi Platz nehmen. Über ihnen thronten die mächtigen US-Senatoren, wie auf einem Richterpodium.

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Sie sparten nicht mit harten Urteilen. Ihr Verhalten sei «absurd und eine historische Schande», sagte Senator Chuck Grassley, der Leiter des Justizausschusses. Und John Kennedy, republikanischer Senator aus Louisiana, warf der UBS vor, sie wolle aus Prinzip nicht mehr bezahlen. Es gehe ihr nur ums Geld – wie damals.

Mit «damals» meint er die Zeit des Zweiten Weltkriegs, als die Schweizer Banken kräftig an Geschäften mit den Nazis verdienten. Die Schatten der Vergangenheit holen die UBS nun erneut ein. Sie musste sich in einer Anhörung vor dem US-Senat wegen Nazi-Konten der Credit Suisse und ihrer Vorgängerbanken verantworten.

Dabei geht es vor allem um die Frage, ob die Credit Suisse brisante Informationen zurückhielt, als die Schweizer Banken 1998 das Globalabkommen mit den USA abschlossen. Nach dem Skandal um nachrichtenlose Vermögen zahlten die CS und die UBS 1,25 Milliarden Dollar an Holocaustüberlebende und ihre Nachkommen.

Als selbsternannter Chefankläger gegen die UBS fungiert der Jurist Neil Barofsky. Als 2020 eine Liste aus Argentinien mit Angaben zu 12 000 Nazis auftauchte, die Konti bei CS-Vorgängerbanken unterhalten haben sollen, setzte ihn die CS als unabhängigen Aufseher für eine Untersuchung ein.

Barofsky fuhr mit 85 Spezialisten der Firma Alixpartners bei der CS ein. Nach ihrer Übernahme der CS setzte die UBS die Untersuchung fort. Die Kosten dafür belaufen sich gemäss der UBS bereits auf mehrere hundert Millionen Franken. Bis Ende Jahr will Barofsky seinen Abschlussbericht vorlegen.

Parallel zum Hearing präsentierte Barofsky erste Ergebnisse. Der Titel macht die Stossrichtung klar: «Die Wahrheit kommt ans Licht: Verborgene Fakten über Nazis und Schweizer Banken». Neben angeblich neuen Konti von nationalsozialistischen Organisationen in der Schweiz rückt dabei ein Institut ins Zentrum, das bislang nur eine Nebenrolle spielte: die Bank Hofmann.

Enge Beziehungen nach Deutschland

Die Zürcher Privatbank, Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, wurde 1973 von der Credit Suisse übernommen. Unter ihrem Patron Albert Hofmann unterhielt sie schon vor Kriegsbeginn Geschäftsbeziehungen nach Deutschland.

Bei seinen Recherchen im Archiv der CS stiess Barofsky auf eine Festschrift der Bank Hofmann zu ihrem hundertsten Geburtstag 1997. Laut ihr pflegte die Bank Hofmann enge Verbindungen zum deutschen Chemiekonzern IG Farben, der ein wichtiger Teil der Vernichtungsindustrie der Nazis war.

Diese gingen laut Barofsky auch nach Kriegsende weiter. Als die Bank 1948 neues Kapital gebraucht habe, habe die frühere Hausbank der IG Farben zwei Drittel beigesteuert. Vertreter von IG Farben hätten anschliessend «signifikanten Einfluss» auf die Bank Hofmann ausgeübt, wie es in der Festschrift weiter heisst.

So habe ein ehemaliger Manager der IG Farben und Verwandter eines verurteilten Kriegsverbrechers als «graue Eminenz» in der Bank gewirkt. Es sei nicht auszuschliessen, dass der faktische Eigentümer der Bank Hofmann die IG Farben gewesen sei, zitiert Barofsky aus dem Manuskript.

Laut Barofsky liess die damalige CS-Führung das Manuskript Ende der 1990er Jahre verschwinden. Damals nahm die Debatte um die nachrichtenlosen Vermögen auf Schweizer Banken Fahrt auf, in den USA gab es teilweise sogar Boykottaufrufe gegen Schweizer Produkte.

Die deutsche Finanzspritze könnte zu «Schadenersatzklagen durch frühere KZ-Gefangene . . . und zu negativen Schlagzeilen führen», zitiert Barofsky aus einem internen Memo, das der Autor der Schrift verfasst hatte. Die CS-Führung habe deshalb entschieden, das Manuskript nicht zu veröffentlichen. Sogar Rainer E. Gut, der damalige Präsident der Bank, sei über den Inhalt der Festschrift informiert worden.

Wie auf der Anklagebank: Die UBS-Manager Robert Karofsky und Barbara Levi bei den Anhörungen im US-Senat.

Senate.gov

Auch im Bergier-Bericht über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg taucht die Bank Hofmann in zwei Kapiteln auf. Laut den Historikern war die Bank Hofmann gleich in doppelter Hinsicht wichtig für die Nazis: Sie verkaufte Frankenobligationen aus deutschem Besitz an der Zürcher Börse – oftmals geraubte Vermögenswerte von Nazi-Opfern. Mit dem Erlös kaufte sie Schuldpapiere deutscher Industriefirmen billig zurück und trug damit zu deren Entschuldung bei.

Die Bergier-Historiker beziehen sich dabei ebenfalls auf die undatierte Firmengeschichte der Bank Hofmann. Die Rekapitalisierung der Bank mit Mitteln der berüchtigten IG Farben erwähnen sie aber nicht.

Die Geschäfte mit geraubten Vermögenswerten hatten 1948 ein Nachspiel für die Bank Hofmann. Zusammen mit der Schweizerischen Kreditanstalt, der späteren Credit Suisse, wurde sie vom Bundesgericht zu Schadenersatz verurteilt. Die beiden Banken hätten genau gewusst, dass ihre Kunden ihre Obligationen unter Zwang verkauft hätten.

Dass die Kooperation mit den Nazis nicht zwingend war, bewies laut dem Bergier-Bericht übrigens die Bank Bär: Mit Verweis auf das Bankgeheimnis weigerte sie sich, den Deutschen die Namen und Vermögen ihrer Kunden zu melden.

In der Nachkriegszeit fristete die Bank Hofmann ein weitgehend unspektakuläres Dasein. Ein Name lässt aber aufhorchen: 1950 wurde ein gewisser Walter Meier zum Direktor der Bank Hofmann befördert, wie aus einer Meldung des Schweizerischen Handelsamtsblattes hervorgeht. Er ist der Vater des Musikers und Unternehmers Dieter Meier. 1973 verkaufte er die Bank Hofmann an die Credit Suisse, der Preis ist nicht bekannt.

Sein Vater habe als Bankier stets auch Handwerkern Kredite gegeben und ihnen damit den Schritt in die Selbständigkeit ermöglicht, sagte der Yello-Frontmann einmal in einem Interview. Die Nazi-Verbindungen des Instituts waren dabei kein Thema. Eine Sprecherin der Familie wollte auf Anfrage nicht Stellung nehmen. Dieter Meier habe sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Die Bank Hofmann könnte für die UBS zum Problem werden. Vor allem, wenn sich herausstellt, dass die CS in den neunziger Jahren tatsächlich gewisse Fakten unterschlagen wollte, indem sie die Festschrift im Archiv verschwinden liess. CS-nahe Kreise sagen allerdings, eine Publikation des Manuskripts sei nie ein Thema gewesen. Die Bank habe keine Einzelhistorien von Tochterbanken veröffentlicht. Zur Bank Hofmann will sich die UBS auf Anfrage der «NZZ am Sonntag» nicht äussern.

Vergleich wird infrage gestellt

Unter Historikern ist der Wert von Barofskys Untersuchungen umstritten. Offen ist, was sie für den Globalvergleich von 1998 bedeuten. Der Jüdische Weltkongress (WJC) stellt ihn nach knapp dreissig Jahren infrage. Beim Deal von 1998 habe man zwischen 5 und 10 Milliarden Dollar auf dem Tisch liegen lassen, sagte der WJC-Präsident Ronald Lauder. Heute würde er diesen Fehler nicht mehr machen.

Die Schweizer Seite ist alarmiert. «Mit dieser Aussage verstösst Roland Lauder gegen den Vergleich», sagt Thomas Borer. Der ehemalige Diplomat leitete die Task Force «Schweiz – Zweiter Weltkrieg» und sass für die Schweiz mit am Verhandlungstisch. «Der Vergleich wurde bewusst als endgültiger Vergleich angelegt», sagt er. Er umfasse Fakten, die zum Zeitpunkt der Unterzeichnung noch nicht bekannt gewesen seien oder hätten bekannt sein können, genauso wie unentdeckte Nazi-Konten und jegliche Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg.

Die UBS wollte keine Stellung nehmen zu den Vorwürfen Barofskys. Die Vergangenheit der CS bringt sie in eine unangenehme Situation. Bei der Anhörung diese Woche haben ihre Manager immer wieder versichert, dass sie mit Barofsky kooperieren würden. Die Bank will in den Vereinigten Staaten wachsen und ist auf die Unterstützung der Behörden angewiesen.

Gleichzeitig muss sie sich vor neuen Milliardenforderungen schützen. Deshalb lässt sie den Umfang des Deals gerichtlich abklären. Der Entscheid liegt bei Richter Edward Korman. Er hatte bereits den Deal von 1998 gutgeheissen. Die Anhörung ist für den 12. März geplant.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»