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mehrere Tote und Verletzte nach Schüssen in Schule

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  • February 11, 2026

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In der Gemeinde Tumbler Ridge kommen bei einem Angriff mit Schusswaffen neun Personen ums Leben. Die Polizei geht von einer Einzeltat aus. Das Motiv ist unklar, Politiker zeigen sich erschüttert.

Cornelius WelpAktualisiert

Der Premier von British Columbia, David Eby, äussert sich zu den Schüssen.

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Kanada steht unter Schock: Bei einem Schusswaffenangriff in einer Schule in der Provinz British Columbia sind neun Personen ums Leben gekommen, unter ihnen die mutmassliche Täterin. Davor war von zehn Opfern die Rede. Zudem gibt es 25 Verletzte. Einige kämpften derzeit im Spital um ihr Leben, sagte der kanadische Premierminister Mark Carney in einer Rede vor dem Unterhaus des Landes.

Wie die Polizei Stunden nach der Tat während einer Pressekonferenz mitteilte, handelte es sich bei der mutmasslichen Täterin um eine 18-jährige Frau mit psychischen Problemen. Ein Motiv für die Tat war jedoch nicht bekannt.

Der Amoklauf gilt als einer der schlimmsten in der jüngeren Geschichte des nordamerikanischen Landes. In Kanada gelten deutlich strengere Waffengesetze als in den benachbarten USA. Politiker zeigten sich bestürzt, Premierminister Mark Carney sagte seine geplante Reise zur Münchner Sicherheitskonferenz ab.

Die Tat ereignete sich in der Gemeinde Tumbler Ridge, die gut 1100 Kilometer nordöstlich von Vancouver liegt. Die Polizei wurde laut eigenen Angaben um 13 Uhr 20 Ortszeit (21 Uhr 20 MEZ) über Schüsse an der weiterführenden Schule informiert. Zwei Minuten später trafen die örtlichen Polizisten dort ein. In der Schule entdeckten sie sechs Tote, eine verletzte Person starb später auf dem Weg ins Spital. In einem Wohngebäude fanden die Polizisten noch zwei weitere Tote. Sie gehen von einem Zusammenhang mit der Tat in der Schule aus.

Dieser Ausschnitt aus einem Video zeigt Schüler, die nach den tödlichen Schüssen die Tumbler Ridge School verlassen

Jordon Kosik / AP

Die mutmassliche Täterin tötete an der Schule eine 39-jährige Lehrerin, drei 12-jährige Mädchen sowie einen 12-jährigen und einen 13-jährigen Jungen. Die beiden Toten in der Nachbarschaft waren eine 39-jährige Frau und ein 11-jähriger Junge. Zwei Verletzte seien per Helikopter mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Spital gebracht worden, teilte die Polizei mit. Die weiteren, weniger schwer verletzten Personen werden in der Umgebung behandelt. In der Schule fanden die Polizisten auch die Leiche des Täters, mutmasslich einer Frau. Sie habe sich offenbar selbst getötet. Die Behörden gehen davon aus, dass sie allein gehandelt hat.

In einer ersten Warnmeldung der Polizei war von einer weiblichen Person «in einem Kleid mit braunen Haaren» die Rede. Die konservative kanadische Nachrichten-Website «Juno News» berichtete später unter Berufung auf einen Verwandten, dass es sich um eine Transperson gehandelt habe. Später bestätigte die Polizei, dass die mutmassliche Täterin mit männlichem Geschlecht geboren wurde, sich aber als Frau identifizierte.

Frauen laufen nur sehr selten Amok. Ihr Anteil liegt nach mehreren Studien weltweit deutlich unter 10, meistens unter 5 Prozent. In einer Studie des FBI schossen zum Beispiel nur in 6 von 160 erfassten Fällen in den USA Frauen auf ihre Opfer.

Rund 160 Schüler im Alter zwischen 12 und 18 Jahren besuchen die weiterführende Schule von Tumbler Ridge. Ein Schüler berichtete dem Fernsehsender CBC, wie er und seine Mitschüler sich zwei Stunden im Klassenraum verbarrikadiert hätten. Die Polizei hatte Menschen in der Gegend über mehrere Stunden dazu aufgerufen, ihre Türen zu verriegeln und ihre Häuser oder Geschäfte bis auf weiteres nicht zu verlassen.

Der abgelegene Ort Tumbler Ridge wurde erst 1981 gegründet, als in der Umgebung Kohleminen eröffneten. Derzeit zählt die Gemeinde rund 2400 Einwohner. Der nächste grössere Ort ist 90 Kilometer entfernt.

Die Sekundarschule Peace River South in Tumbler Ridge, Kanada.

via X

Der kanadische Premierminister reagierte mit Bestürzung auf den Vorfall. Er sei «zutiefst erschüttert», schrieb Mark Carney auf der Plattform X. «Meine Gebete und mein tiefstes Beileid gelten den Familien und Freunden, die durch diese schrecklichen Gewalttaten Angehörige verloren haben.»

David Eby, der Premier der Provinz British Columbia, sprach von einer «verheerenden und unvorstellbaren Tragödie». Niemand könne sich vorstellen, was der betroffene Ort gerade durchmache. Auch mehrere internationale Staatschefs drückten ihr Mitleid aus. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron versicherte, dass sein Land an der Seite des kanadischen Volkes stehe. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich tief bestürzt. «Unsere Gedanken sind bei den Menschen in Tumbler Ridge, die um Freunde und Familie trauern», schrieb er.

Der Amoklauf in der Schule ist das gravierendste Tötungsdelikt in Kanada seit dem Jahr 2020. Damals tötete ein als Polizist verkleideter Täter in der Provinz Nova Scotia an zwei Tagen insgesamt 22 Personen. 1989 starben 14 junge Frauen bei einem Angriff auf die Polytechnische Universität in Montreal. In den vergangenen Jahren hatte die Regierung die Waffengesetze mehrfach verschärft. 2020 verbot sie den Verkauf, Transport und Import von Sturmgewehren. Seit Ende 2022 dürfen nur noch berechtigte Gruppen wie Sportschützen oder Jäger neue Handfeuerwaffen kaufen.

Eine Strasse nahe der Schule wurde gesperrt.

Jesse Boily / AP