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First Lady landet mit Dok-Film überraschenden Hit

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Die First Lady feiert mit ihrem Dok-Film einen ungeahnten Erfolg. Denen, die den amerikanischen Präsidenten bereits abgeschrieben haben, sollte das eine Warnung sein: Der Name Trump zieht nach wie vor.

Die First Lady im Mittelpunkt: Das Präsidentenpaar an der Filmpremiere im John F. Kennedy Memorial Center For The Performing Arts am 29. Januar.

Jose Luis Magana / AP

«Melania» ist ein Hit. 8 Millionen Dollar hat der neue Dokumentarfilm über die First Lady Melania Trump am ersten Wochenende eingespielt. Erfolgreicher ist in den amerikanischen Kinos seit zehn Jahren kein Dok gestartet.

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Damit ist er zwar noch lange nicht in der Gewinnzone. Amazon liess sich die Vertriebsrechte 40 Millionen Dollar kosten – was «Melania» zum teuersten Dokumentarfilm der Kinogeschichte macht. Zudem soll das Online-Versandhaus von Jeff Bezos Marketingausgaben von 35 Millionen Dollar aufgewendet haben. Doch man kann es drehen und wenden, wie man will: «Melania» straft alle Prognosen Lügen.

Denn weit über die USA hinaus hatten sich zuvor zahlreiche Medien über schlechte Vorverkaufszahlen lustig gemacht. Lediglich ein einsames Ticket sei für die Premiere in London verkauft worden, spottete nicht nur der «Guardian». «Schadenfreude» ist ein Wort, das auch die Angelsachsen kennen.

Die Medien hatten den Film vorschnell abgeschrieben. So wie sie auch den amerikanischen Präsidenten in letzter Zeit gerne als lahme Ente apostrophierten: Wunschdenken prägt bei Donald Trump allzu oft die Berichterstattung.

Sie bleibt ein Mysterium

Wie bereits bei den Wahlen 2016 und 2024 wird seine Anziehungskraft womöglich auch gegenwärtig unterschätzt. Ob es einem gefällt oder nicht: «Melania» macht deutlich, dass der Name Trump nach wie vor zieht.

Auch wenn ihn der Film nicht im Titel trägt. Jeder weiss, wer mit Melania gemeint ist. Wobei niemand weiss, was sie beschäftigt. In den eineinviertel Amtszeiten ihres Ehemannes hat sich die Gattin aus praktisch allem herausgehalten.

Verwirklicht hat sie sich nur im Rosengarten. Die Zierapfelbäume von Jacqueline Kennedy mussten weichen. Dank Melania Trump dominieren jetzt zu Kugeln geschnittene Buchsbäume. Aber sonst? Sie trat kaum in Erscheinung. Sie blieb ein Mysterium und weckte dadurch erst recht das Interesse an ihrer Person.

Umso erstaunlicher ist es, dass sie sich nun in einem Dokumentarfilm produziert. Im wortwörtlichen Sinne: Sie ist Protagonistin und Produzentin. Und wenn es stimmt, was man sich erzählt, hat sie den Leuten am Set auch gesagt, wie das Licht auf sie fallen soll und wo die Kamera zu stehen habe.

Fokus auf die Absätze

Herausgekommen ist ein Film, der viel auf ihr Äusseres fokussiert. Nicht zuletzt auf die Stöckelschuhe. Das Bild bleibt oft auf den High Heels kleben. Melania Trump teilt sich die Hauptrolle mit ihren Louboutins. Unter 12 Zentimetern Absätzen macht sie’s nicht.

Werbung am Londoner Piccadilly Circus.

Ming Yeung / Getty

Auf der Handlungsebene geht es zunächst darum, dass der Kragen ihrer Bluse für die Inaugurationsfeier gekürzt werden muss. Oder die Krone ihres Huts hat glatter zu sein. Der Film erzählt von zwanzig Tagen im Januar 2025, als sich Frau Trump auf den erneuten Umzug ins Weisse Haus vorbereitet.

Zunächst beschränkt sich das Geschehen auf ihre Arbeit mit den Schneidern und Designern, die an der Garderobe der zukünftigen First Lady laborieren. Die meisten Szenen spielen sich in goldverzierten Gemächern in Versailles ab. Vielleicht ist es aber auch nur der Trump Tower in New York.

Von dort hat die geschäftige Zeremonienmeisterin alles im Blick. Beispielsweise wird auch das Menu fürs Galadinner von Melania Trump abgenommen. Als Amuse-Bouche gibt es ein goldenes Ei, gefüllt mit Kaviar. Der Film hingegen ist eher inhaltsleer.

Er bleibt oberflächlich. Auch, weil ihn die Regie von Brett Ratner wie mit Botox behandelt hat. Der Macher der «Rush Hour»-Filme, der wegen #MeToo-Vorwürfen in Hollywood in Ungnade gefallen ist, vermag nur einen klinisch-stilisierten Einblick in das Leben von Melania Trump zu vermitteln.

Trump reagiert verschnupft

Unterhaltsam wird der Film fast nur, wenn Donald Trump in Erscheinung tritt. Er besorgt den einen oder anderen launigen Moment. Etwa als das Paar vom Geheimdienstchef über den Ablauf der Inaugurationsfeier unterrichtet wird – und sich der gewählte Präsident darüber beschwert, dass am Tag seiner Amtseinsetzung auch ein College-Football-Spiel stattfindet.

Sicher habe man ihm absichtlich die Aufmerksamkeit streitig machen wollen, so reagiert er verschnupft. Wie man es von ihm kennt, ist Donald Trump nie um eine (unfreiwillig?) komische Bemerkung verlegen.

Spekulationen darüber, dass ihre Ehe mit Donald Trump zerrüttet sei, werden durch die spärlichen gemeinsamen Szenen im Film nicht entkräftet.

Kylie Cooper / Reuters

Dagegen wahrt seine Frau unerbittlich die Form. Mitte der 1990er Jahre ist sie als Model in die USA gekommen; als Präsidentengattin, so macht es den Anschein, hat sie ihr in den Balkan-Jahren gestähltes Pokerface perfektioniert.

Ob sie sich ansatzweise wohlfühlt in ihrer Rolle als First Lady, bleibt die Frage. Spekulationen darüber, dass ihre Ehe mit Donald Trump zerrüttet sei, werden durch die spärlichen gemeinsamen Szenen zumindest nicht entkräftet.

Während sich Jeff Bezos mit dem kostspieligen Dokumentarfilm offensichtlich die Gunst des amerikanischen Präsidenten erkaufen wollte (so wie die Schweizer Handelsdelegation mit dem Goldbarren und der Rolex-Tischuhr), erschliesst sich nicht, wieso sich Melania Trump dafür hat breitschlagen lassen.

Ihre Begeisterung über den erneuten Einzug in die 1600 Pennsylvania Avenue scheint sich jedenfalls in Grenzen zu halten. In der zweiten Hälfte führt der Film durch die Anstrengungen der Amtseinführung. Beim Ausblick auf die diversen Bälle, die an dem Tag durchzustehen sind, sagt Melania Trump nur: «Das bedeutet Extrazeit in Stöckelschuhen.»