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Einmal mehr steht der Klub vor einem Neustart

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  • February 14, 2026

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Einmal mehr steht der FCZ vor einem Neustart. Der Sieg gegen den FC Winterthur hat die Abstiegsgespenster vorerst verscheucht, doch der unruhige Klub hinterlässt weiter viele Fragezeichen.

Fabian Ruch und Peter B. Birrer

Das FCZ-Präsidentenpaar Heliane und Ancillo Canepa (links) mit dem neuen Verwaltungsrat Claudio Cisullo (rechts).

Claudio Thoma / Keystone

Es ist eine Momentaufnahme vom Mittwochabend. Auf den TV-Bildern zu sehen sind das Ehepaar Canepa und Claudio Cisullo, «Lead Independent Director» beim FCZ. Heliane Canepa steht auf der Tribüne im Letzigrundstadion, sie tanzt beinahe vor Freude, daneben sitzt ihr Mann und ballt die Faust, Cisullo strahlt. Soeben hat der Zürcher Stürmer Philippe Kény mit einem wunderschönen Freistoss das 3:0 gegen den FC Winterthur erzielt.

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Der Heimsieg ist ein Lebenszeichen des FCZ in der erdrückenden Tristesse. Die Canepas als Besitzer des Klubs haben Cisullo vor ein paar Wochen engagiert, damit der Unternehmer mit seinem Netzwerk die strategische Weiterentwicklung des Klubs mitgestaltet. Konkret: einen Käufer findet.

Die Nachfolgeregelung ist Heliane und Ancillo Canepa wichtig, ihre Zeit an der Spitze des FC Zürich läuft ab. 2026 fühlt sich bis jetzt wie ein letzter Tango nach einer verhängnisvollen Verirrung an. Auf der Tanzfläche sind indessen nicht viele potenzielle Partner zu sehen; der FCZ ist gerade kein toller Bräutigam. Er hat noch immer keinen Hauptsponsor gefunden, war zuletzt sogar das schwächste Team der Super League und willkommener Aufbaugegner für die ebenfalls kriselnden Grossklubs YB und FC Basel.

Das Team wirkt nach dem erneuten Umbruch gesichtslos

Zumindest verscheucht der Sieg gegen Winterthur vorerst die Abstiegsgespenster. Der Ball flog und rollte am Mittwoch für den FCZ, die Gäste waren lange Zeit das bessere Team. Der Zürcher Trainer Dennis Hediger sprach danach von einem «mutigen Auftritt» seiner Spieler, als sei der FC Winterthur ein übermächtiger Gegner in der Champions League.

Von einer erneuten Teilnahme an der Königsklasse träumen die Canepas. Derzeit steht der FCZ vor Trümmern. Die Zusammenarbeit mit Milos Malenovic endete im Debakel, dabei hatte Ancillo Canepa den Sportchef stets verteidigt, von Fake News, Bullshit und Ahnungslosen gesprochen, wenn Medien und Beobachter das rabiate Vorgehen Malenovics kritisierten. Als würde er als Letzter merken, dass er wie ein Geisterfahrer unterwegs ist.

Malenovic musste den FCZ schliesslich verlassen – aber seine Zeit hat tiefe Spuren hinterlassen. Insider im Betrieb sprechen von «heftigen» und «erschütternden» Zuständen. Der Klub wurde ausgehöhlt und durchgeschüttelt, mit Malenovic gingen in der Winterpause mehrere Fussballer, unter ihnen Fixpunkte wie Steven Zuber, Mariano Gómez, Jahnoah Markelo. Immerhin war Malenovic ein begabter Spielerberater, der Transfer von Markelo zu Coventry City brachte über 5 Millionen Franken für den auch wirtschaftlich angeschlagenen FCZ ein.

Die Mannschaft wirkt gesichtslos, ohne Konturen. Sie ist sehr jung, sehr unerfahren, aber durchaus talentiert, dafür steht der 20-jährige Torhüter Silas Huber, den Hediger zur Nummer 1 befördert hat. Als sein Vorgänger Mitchell van der Gaag das im Herbst geplant hatte, scheiterte er an der Hausmacht des Captains‚ Yanick Brecher, der bei den Canepas hoch im Kurs steht. Hediger wusste nach dieser Vorgeschichte besser, wie er vorzugehen hat.

In den letzten Tagen verpflichtete der FC Zürich zwei routinierte Fussballer aus dem Sonderangebot, die einst in bedeutenden Ligen gespielt haben. Der deutsche Verteidiger Alexander Hack, 32 Jahre alt und zuletzt bei New York Red Bulls, debütierte gegen Winterthur. Und in der Offensive soll der 33-jährige Kosovare Valon Berisha die Lücken füllen. Auch er hat monatelang nicht mehr gespielt, nachdem er beim österreichischen Klub LASK aussortiert worden war. Der Trainer Hediger sagt: «Wir brauchen Säulen, wenn wir so viele Junge reinwerfen.»

Es ist ein Hin und Her. Exemplarisch dafür steht Nevio di Giusto, der im Sommer in der U 21 war, danach laut Hediger «zwischen allem durchfiel», im September an den FC Vaduz verliehen wurde, dort keine Rolle spielte und nun wieder beim FCZ zurück ist – und auf einmal Freistösse und Eckbälle schlagen darf. Gegen Winterthur überzeugte der 20-Jährige mit einem Tor und einem Assist, auch beim 1:2 in Basel bereitete er das FCZ-Tor vor. Und Hediger sagt, di Giusto sei ein Vorbild für alle, die es schwer hätten: «Dranbleiben, nicht aufgeben, Gas geben.»

Die Bilanz des Trainers Hediger ist desaströs

Der FC Zürich stellt sich einmal mehr neu auf. Dazu gehört, dass der erfahrene und vernetzte Spielerberater Dino Lamberti, der ganz in der Nähe der Canepas wohnt, auf einmal unerwartet die Transfertätigkeiten leitet und Alessandro Mangiarratti als Technischer Direktor angestellt wurde. Ancillo Canepa rückt nach dem Abgang von Malenovic wieder näher ans Tagesgeschäft, und man weiss jetzt nicht, ob das eine gute Nachricht für den FCZ ist.

Der Präsident hat jüngst für Stirnrunzeln gesorgt, weil er in einem siebenminütigen Video ein Saftkonzentrat präsentierte. Canepa sagt am Anfang des Videos: «Liebe FCZler, ich bin kein Influencer.» Um dann mit 72 Jahren zum Influencer für ein Mikronährstoff-Konzentrat zu werden – inklusive Anleitung, wie man das Getränk korrekt trinkt.

Zufälligerweise ist das Unternehmen am Samstag Presenting Partner des Doppel-Heimspiels des FCZ, an dem zuerst die Männer gegen den FC Luzern, danach die Frauen gegen den FC Basel spielen. Einen Wundersaft können die Fussballer ganz gut gebrauchen. Und im neuen Beirat sitzt Fussballprominenz wie Roberto Donadoni und Roberto di Matteo, die in den letzten Jahren wenig Super League gesehen haben.

Näher dran ist Dennis Hediger. Der Trainerwechsel im FCZ hat sich zwar wie im FCB und bei den Young Boys bisher in erschreckender Weise nicht ausbezahlt. Während die Zürcher mit dem nach bereits neun Runden freigestellten Mitchell van der Gaag 1,44 Punkte pro Match holten, sind es mit Hediger weit weniger – die Mannschaft holte 15 Punkte in 15 Begegnungen.

Doch immerhin: Hediger ist kommunikativ, kämpferisch, krisenerprobt und wirkt mit seinen Muntermacher-Parolen wie Teflon, an dem nichts kleben bleibt. Nach 24 Spieltagen liegen die ambitionierten Zürcher 27 Punkte hinter dem Aufsteiger und Leader FC Thun, der mit Kontinuität, Ruhe und klugen Personalentscheidungen das Gegenteil des unsteten FCZ darstellt.