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Ein Lieferant macht den Morettis und den Behörden Vorwürfe

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  • February 13, 2026

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Die Barbetreiber hätten aus Kostengründen keinen Brandschutz-Schaumstoff in ihren Möbeln gewollt, bestätigt ein Lieferant gegenüber der NZZ. Ein Anwalt der Morettis widerspricht.

Die Kellerbar im «Le Constellation» wurde durch den Brand stark zerstört, insbesondere die Decke mit dem brennbaren Akustikschaumstoff.

Akten Staatsanwaltschaft Wallis

Eigentlich habe er nicht die Öffentlichkeit gesucht, sagt der Mann am Telefon. Er will seinen Namen deshalb nicht in der Zeitung sehen, auch wenn mehrere Medien ihn schon veröffentlicht haben, allen voran die italienische Zeitung «Il Messaggero». Sie berichtete zuerst über E-Mails des Möbelunternehmers, der 2016 die Betreiber der Bar «Le Constellation» belieferte. Screenshots der E-Mails liegen auch der NZZ vor, und der Mann bestätigt ihre Echtheit.

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Die erste E-Mail schickte der Lieferant am 3. Januar der Gemeindepolizei von Crans-Montana. Darin benennt er das Mobiliar, das Jacques und Jessica Moretti bei ihm bestellt hätten. Und vor allem macht er den Morettis einen Vorwurf: «Bei der Auftragsbestätigung habe ich den Einbau eines Schutzes mit feuerfestem Schaumstoff vorgeschlagen. Diese Option wurde vom Kunden aus Budgetgründen abgelehnt.»

Der Mann präzisiert am Telefon, dass der offenbar leicht brennbare Akustikschaumstoff an der Decke bereits installiert gewesen sei, als er 2016 die Möbel geliefert habe. In anderen Ländern, in denen er arbeite, sei es üblich, dass auch Möbel feuerfest gemacht würden. Zumindest das Echtleder der Sitze und Bänke, welches die Morettis bestellt hätten, sei jedoch von Natur aus feuerfest.

Jessica Morettis Anwalt widerspricht

Auf Anfrage widerspricht einer der beiden Anwälte von Jessica Moretti der Darstellung des Lieferanten. «Nein», schreibt der Genfer Anwalt Nicola Meier lediglich auf die Frage, ob er dessen Aussagen bestätige. Auf die Nachfrage, wie der Sachverhalt sich stattdessen zugetragen habe, antwortet er nicht.

Der Lieferant rief Anfang Januar nach eigenen Angaben die Gemeindepolizei an, um sich den Empfang der E-Mail bestätigen zu lassen. Am Telefon habe man ihm gesagt, dass die Kantonspolizei zuständig sei. Am 5. und 6. Januar schickte der Mann E-Mails an zwei Kantonspolizistinnen, von denen mindestens die eine laut den Ermittlungsakten mehrere Zeugen vernommen hat. Die E-Mails enthielten unter anderem eine Bauzeichnung der Kellerbar.

Eine der Polizistinnen antwortete dem Mann rasch. Sie dankte ihm für die Informationen. «Wir haben diese zur Kenntnis genommen und werden sicherlich später auf Sie zurückkommen.» Der Mann antwortete, er stehe der Polizei zur Verfügung.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben sich nicht gemeldet

Doch bis heute, mehr als einen Monat später, hat der Lieferant nach eigenen Angaben nichts mehr gehört. Weder von der Kantonspolizei noch von der Gemeindepolizei. Auch ein späteres Einschreiben an die stellvertretende Generalstaatsanwältin, welche die Ermittlung leite, habe noch keine Einladung für eine Einvernahme zur Folge gehabt.

Ein Kommunikationsmitarbeiter der Kantonspolizei sagt am Telefon, er habe von der Berichterstattung zu dem Vorgang noch nicht gehört. Die genannten E-Mails sind in einem Schreiben eines Opfer-Anwalts an die Staatsanwaltschaft enthalten und somit nun Teil des Strafverfahrens. Auf diesen Hinweis hin verweist die Kantonspolizei an die Staatsanwaltschaft. Diese wiederum beantwortet seit Wochen keine Medienanfragen mehr und tat dies auch am Freitag nicht.

Das erwähnte Schreiben eines Opfer-Anwalts stammt von Sébastien Fanti, der im Fall Crans-Montana mehrere Angehörige vertritt. In seinem Brief vom 2. Februar fordert er die Staatsanwaltschaft auf, den Möbellieferanten «umgehend» einzuvernehmen. Offenbar fügte die Staatsanwaltschaft dieser Tage Fantis Brief den Ermittlungsakten hinzu, weshalb er nun unter den Verfahrensparteien zirkuliert.

Fanti kritisiert in seinem Schreiben, dass die Staatsanwaltschaft die E-Mails des Lieferanten an die Polizei nicht selbst den Ermittlungsakten hinzugefügt habe. Es sei verboten, geheime Akten zu erstellen, betont Fanti.

Anwaltsverbände verurteilen Attacken gegen Verteidiger

Ebenfalls am Freitag verschickten die Anwaltsverbände der Kantone Wallis, Waadt und Genf eine gemeinsame Medienmitteilung. Darin verurteilen sie «verbale und physische Attacken» sowie «Drohungen» gegen die insgesamt drei Anwälte der Morettis. Am Donnerstag waren insbesondere die Morettis von Opfer-Angehörigen vor einer Einvernahme in Sitten angegangen worden; ihre Anwälte waren mit ihnen bedrängt worden.

Ebenfalls kritisieren die Präsidenten der drei Verbände die «besonders intensive Mediatisierung» des Strafverfahrens, an der manche Anwälte sich entgegen der üblichen Gepflogenheiten beteiligten. Diese Handlungen, schreiben die Verbandspräsidenten, würden die Integrität der Verteidiger untergraben, die Justiz schwächen und das Grundrecht auf Verteidigung gefährden.

«Gemäss internationalen Grundsätzen zur Rolle von Anwälten dürfen diese nicht mit den Interessen ihrer Mandanten gleichgesetzt werden und müssen geschützt werden, wenn sie bei der Ausübung ihrer beruflichen Pflichten bedroht werden», unterstreichen die drei Anwaltsverbände in ihrer Mitteilung.

Jacques Moretti und seine Frau Jessica sollen aus Kostengründen angeblich auf eine Feuerschutzschicht in ihren Möbeln verzichtet haben – doch ein Anwalt von Jessica Moretti verneint diese Darstellung.

Alessandro Della Valle / Keystone