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Die USA greifen Venezuela an: die Lage am Montag

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Nach Maduros Sturz ist das Tauziehen um Venezuela in vollem Gang. Die neue Regierungschefin setzt nach harschen Worten nun doch auf Frieden mit Washington.


Venezolaner feiern am Samstag in Madrid. Maduro ist weg, doch nun stellt sich in Venezuela die Frage, wie es weitergeht.

Bernat Armangue / AP

Wer in Caracas tatsächlich die Macht ausübt, ist auch Tage nach der amerikanischen Spezialoperation unklar. Zwar soll noch am Montag Delcy Rodríguez als Regierungschefin vereidigt werden. Der Oberste Gerichtshof übertrug der früheren Vizepräsidentin per Beschluss sämtliche Befugnisse des Präsidentenamts. Rodríguez gehört seit rund zwanzig Jahren zur politischen Spitze Venezuelas. Sie gilt als enge Vertraute von Nicolás Maduro, den Spezialeinheiten der USA in der Nacht zum 3. Januar festnahmen und ausser Landes brachten.

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Entsprechend scharf reagierte Rodríguez zunächst auf die amerikanische Militärintervention und schwor Widerstand. Sie sprach von einer «barbarischen Attacke» und verurteilte die Gefangennahme Maduros entschieden. Venezuela werde sich niemals wieder zur Kolonie machen lassen, «egal, von welchem Imperium». Dies, obschon die Trump-Regierung erklärt hatte, Rodríguez sei zur Kooperation mit den USA bereit und werde alles tun, was die USA von ihr verlangten.

Nur wenige Stunden später drohte ihr Donald Trump. Er bekräftigte erneut, dass die USA in Venezuela das Sagen hätten. Gegenüber «The Atlantic» sagte er, die neue Regierungschefin werde «einen sehr hohen Preis zahlen, wahrscheinlich höher als Maduro», wenn sie «nicht das Richtige tut».

Rodríguez zeigte sich daraufhin am Montag konzilianter. Die geschäftsführende Präsidentin erklärte in einer auf Instagram veröffentlichten Mitteilung, man lade die Regierung der Vereinigten Staaten dazu ein, gemeinsam an einer Kooperationsagenda zu arbeiten, die auf gemeinsame Entwicklung und ein dauerhaftes Zusammenleben im Rahmen des Völkerrechts zielt. «Unsere Völker und unsere Region verdienen Frieden und Dialog, keinen Krieg», so Rodríguez.

Trump droht nicht nur Venezuela

Der amerikanische Präsident fordert von Venezuela «Zugang zu allem». Die USA brauchten Zugang zu Öl und anderen Ressourcen des Landes, um Venezuela wieder aufzubauen. Das Land sei «kaputt», sagte er gegenüber Medien.

Präsident Trump weitete seine Drohungen über Venezuela hinaus aus und stellte auch Schritte gegen andere Länder in Aussicht. Er richtete Warnungen an Kolumbiens Präsidenten, bezeichnete Kuba als «reif zum Fallen» und erneuerte seinen Anspruch auf Grönland.

Rubio mässigt und spricht von «Quarantäne»

Am Sonntag hatte Trumps Aussenminister Marco Rubio allerdings klargestellt, dass Washington Venezuela nicht besetzen wolle. Stattdessen setzten die USA auf eine militärisch durchgesetzte «Quarantäne» der venezolanischen Ölexporte, um politischen und wirtschaftlichen Druck auf die neue Führung auszuüben. Das grosse Militäraufgebot in der Karibik solle deshalb auch vor Ort bleiben, erklärte Rubio in der Fernsehsendung «Face the Nation».

Auch die Eindämmung des Drogenhandels werde fortgesetzt, erklärte Rubio. Mit diesem Ziel hatten die USA die grösste militärische Aufstockung in der Region seit der Kubakrise 1962 gerechtfertigt. Erste Angriffe fanden bereits Anfang September 2025 statt und richteten sich gegen mutmassliche Drogenboote. Nach bisherigen Angaben wurden dabei 35 Boote zerstört und 115 Menschen getötet. Weitere Angriffe seien geplant.

Warum die USA die Führungsansprüche der wichtigsten venezolanischen Oppositionspolitiker derzeit nicht unterstützen, liess Rubio offen. Zu ihnen zählen María Corina Machado und Edmundo González, dessen Wahlsieg im Jahr 2024 von Maduro aberkannt wurde und den Rubio einst unterstützt hatte. González lebt im Exil in Spanien.

Maduro vor Gericht, Venezolaner horten Lebensmittel

Der gefangengenommene venezolanische Staatschef Nicolás Maduro soll am Montagmittag (Ortszeit) erstmals vor einem Gericht in New York erscheinen. Gegen den früheren Machthaber, seine Ehefrau Cilia Flores und einen gemeinsamen Sohn liegt eine 25-seitige Anklageschrift vor. Ihnen werden Drogenterrorismus, Kokainhandel und illegaler Waffenschmuggel vorgeworfen.

In Venezuela deckt sich die Bevölkerung derweil mit Lebensmitteln ein. Vor Supermärkten bilden sich lange Schlangen. Die Unsicherheit darüber, was politisch und militärisch in den kommenden Stunden, Tagen und Wochen folgen könnte, überlagert die verbreitete Erleichterung über Maduros Sturz.