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Statt grosszügig Gebiete aufzuzonen, setzt die linke Regierung auf Pflästerlipolitik. So bleibt vor allem eines erhalten: ein angespannter Wohnungsmarkt.
Haus an der Zürcher Gasometerstrasse: Dass die Stadt mehr Wohnraum braucht, steht ausser Frage.
Christian Merz / Keystone
Sie wurde mit Spannung erwartet, nun liegt sie vor: die Totalrevision der Stadtzürcher Bau- und Zonenordnung (BZO). Das Regelwerk, das die Weichen für die bauliche Entwicklung für die nächsten Jahrzehnte stellen wird. Besonders im Bereich Wohnungsbau hegte die Politik von links bis rechts grosse Hoffnungen. Schliesslich hatte der rot-grüne Stadtrat in Aussicht gestellt, Aufzonungsgebiete zu definieren, die dazu beitragen sollten, dass mehr – und vor allem preisgünstige – Wohnungen entstehen.
Dass die Stadt mehr Wohnraum braucht, steht ausser Frage. Zürich ist attraktiv, Jahr für Jahr ziehen Tausende in die grösste Stadt der Schweiz. Wer schon hier wohnt und eine neue Bleibe braucht, muss sich auf eine lange Suche einstellen. Die neue BZO müsste also nicht nur einer künftigen Knappheit vorbeugen, sondern gleichzeitig dazu beitragen ein bestehendes Problem lösen.
Müsste, tut sie aber nicht.
Die grosse Ernüchterung
Statt Aufbruchstimmung herrscht nach der Präsentation des stadträtlichen Vorschlags Ernüchterung in der Zürcher Politik. Wenn sogar die Mitte – nicht per se die Partei der grossen Ideen, sondern des Kompromisses – moniert, dem Stadtrat fehle es an Visionen für Zürich, gibt das zu denken.
Die versprochenen Aufzonungsgebiete in Zürichs Norden und Westen sind kleiner als erwartet. Statt deutlich höhere Bauten zu ermöglichen, sind es lediglich ein bis zwei Stockwerke. Das ist zu wenig.
Das in der neuen BZO ermöglichte Baupotenzial reicht hinten und vorne nicht, um mit dem Bevölkerungszuwachs mitzuhalten. Daran, dass es die bestehende Wohnungsknappheit lindern könnte, ist gar nicht zu denken.
Laut den städtischen Experten könnte mit der neuen BZO Wohnraum für gut 20 000 Einwohnerinnen und Einwohner entstehen. Das entspricht ungefähr dem Bevölkerungswachstum der Stadt zwischen 2019 und 2025. Allein im vergangenen Jahr wuchs Zürichs Bevölkerung um gut 3800 Personen.
Der Stadtrat beruft sich derweil auf die Verdichtungsziele im kommunalen Richtplan. Diesen werde mit den Aufzonungen und Spezialplänen für einzelne Areale und Quartierteile genüge getan. Viel wichtiger als die theoretischen Vorgaben, wäre aber ein Blick auf das Wachstum, das tatsächlich geschieht.
Die Rahmenbedingungen, welche die BZO-Revision nun liefern dürfte, sind nicht die einer Stadt, die stetig wächst und das auch will. Vielmehr ist sie das Regelwerk einer Stadt, die keine Ahnung hat, was sie will.
Der Verdichtung weiter entgegen wirken zahlreiche neu definierte Kern- und Quartiererhaltungszonen. In solchen Gebieten sind grössere bauliche Veränderungen besonders schwierig. Zudem inventarisiert die Stadt fast 300 Liegenschaften und 70 Gartenanlagen. Dabei wäre in Zürich vor allem eins gefragt: mehr Flexibilität beim Bauen.
Zürichs Bau- und Gartenordnung
Was die neue BZO dafür en masse liefert, sind Auflagen, mit denen die Stadt nicht nur Bauten, sondern auch deren Umgebung bis ins letzte Detail regeln will. Selbstverständlich alles im Namen der Rechtssicherheit, des Klimaschutzes und – ganz wichtig – der Hitzeminderung.
Grundeigentümer sollen mit der neuen Nutzungsplanung nicht nur dazu verpflichtet werden, Bäume zu pflanzen. Die Stadt gibt ihnen auch vor, wie viele, auf welchem Untergrund sie gepflanzt werden sollen und wie viel Platz das Wurzelwerk benötigt. Die Devise der Stadt lautet: Umgebungsbegrünung allein reicht nicht, es muss die richtige Begrünung sein. Sie soll möglichst ökologisch sein und die Biodiversität fördern. Die Stadtzürcher Nutzplanung mutiert so zum detailversessenen Gartenhandbuch.
Immerhin in einem Bereich schafft die BZO tatsächlich Klarheit. Nämlich in der Frage, wie viel der durch Aufzonungen zusätzlich ermöglichten Wohnfläche preisgünstig vermietet werden soll. Satte 75 Prozent. Wer die zusätzliche Fläche nicht erstellt, muss dennoch Mehrwertabgaben leisten.
Einer wachsenden Stadt wie Zürich ist mit einem derart engen Regelkorsett nicht geholfen. Gefragt ist stattdessen eine pragmatische Bauordnung, die zum Bauen animiert.
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