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Die Curlerinnen um die Skip Silvana Tirinzoni waren schon viermal Weltmeisterinnen. Um endlich die erste Olympiamedaille zu holen, hat das Team vor allem an der internen Kommunikation gearbeitet.
Die Skip Silvana Tirinzoni ist mit 46 Jahren die älteste Teilnehmerin der Schweizer Olympiadelegation. Im dritten Anlauf will sie ihre erste Medaille gewinnen.
Issei Kato / Reuters
Im Sommer 2025 stieg das Team Tirinzoni auf dem Sempachersee in einen Ruder-Achter. Ein solcher wackelt beträchtlich, wenn Anfängerinnen in ihm sitzen; das Boot gleitet nur dann ruhig dahin, wenn sich alle Ruderinnen synchron bewegen, aufeinander achten. Deswegen ist Rudern eine beliebte Teambuilding-Aktivität – selbst für ein Team wie jenes um Silvana Tirinzoni, das in sich beinahe so präzise funktioniert, wie es seine Steine übers Eis schickt. Es hat in den vergangenen Jahren schon an vielen Details geschraubt, um sich den Traum von einer Olympiamedaille im Curling zu erfüllen.
Die Skip Silvana Tirinzoni ist der Mastermind des Teams CC Aarau, mit 46 Jahren so erfahren wie weltweit kaum eine andere. Zudem sei sie die «klügste Skip» und die «beste Strategin» in den Worten der 35-jährigen Alina Pätz, die seit der Saison 2018/19 an Tirinzonis Seite spielt und als Fourth für die wichtigsten letzten Steine verantwortlich zeichnet. Ein paar dieser Geniestreiche hat sie auch in Cortina schon gezeigt. Tirinzoni sagt über Pätz: «Ich denke, wir machen einander besser, zu besseren Curlerinnen, vielleicht sogar zu besseren Menschen.»
Der Leistungsausweis der beiden ist beeindruckend: Gemeinsam wurden sie zwischen 2019 und 2023 viermal hintereinander Weltmeisterinnen, 2024 und 2025 gab es Silber. Einmal gelang ihnen eine Siegesserie von 42 WM-Spielen. Pätz war bereits einmal als Skip Weltmeisterin, bevor sie mit Tirinzoni zusammenspannte. Und Tirinzoni hatte schon früh als grosses Talent gegolten, schaffte aber lange in entscheidenden Momenten den grossen Coup nicht oder wurde von anderen Schweizerinnen überholt.
Zusammen aber wurden sie eine Konstante im internationalen Curling, auch weil die Aufteilung hervorragend funktioniert, Tirinzoni etwa nicht gleichzeitig Skip und Fourth ist, wie das im Curling immer noch weitgehend der Fall ist. Der Druck für die Strategie und den letzten Stein verteilt sich so auf zwei Personen.
Als einzige Lücke im Palmarès klaffen die Olympischen Spiele. Beide Spielerinnen haben noch keine Olympiamedaille gewonnen, die letzte der Frauen liegt schon zwanzig Jahre zurück. Damals gab es Silber für die Equipe um Mirjam Ott. 2018 in Pyeongchang wurde Tirinzoni 7., 2022 in Peking gewann das Team acht von neun Spielen in der Round Robin, unterlag danach aber im Halbfinal wie auch im Spiel um Platz 3.
Alle zehn Nationen sind mit ihren besten Teams am Start
In Cortina seien alle zehn Nationen mit dem zurzeit besten Team am Start, sagt Tirinzoni. «Jedes kann jedes schlagen.» Das ist bei Olympia nicht immer der Fall, weil bei einer Ausscheidung auch einmal ein anderes Team die Nase vorne haben kann. Die ersten Tage des Turniers bestätigten das hohe Niveau: Viele Partien waren hart umkämpft, nervenaufreibend. Die Schweizerinnen unterlagen bisher Japan und Schweden, in beiden Spielen nutzten die Gegnerinnen kleinste Fehler sofort aus. Nach sieben von neun Spielen in der Round Robin steht die Schweiz mit fünf Siegen auf dem zweiten Platz und ist damit auf Kurs in die Halbfinals. Diese finden am Freitagnachmittag statt.
Skip Tirinzoni ist sehr zufrieden, wie das Team mit der zunehmenden mentalen Müdigkeit und dem Druck umgeht: «Ich habe das Gefühl, wir sind dafür gemacht.» Sie lobt besonders Olympia-Neuling Selina Witschonke, die als Lead die ersten Steine spielt. «Ihre Leistung ist beeindruckend. Wenn sie nicht so gut aufbauen würde, wäre alles viel schwieriger, wenn nicht unmöglich.»
Wischen für den Medaillentraum: Alina Pätz (l.) und Selina Witschonke im Curlingstadion in Cortina d’Ampezzo.
Mattia Ozbot / Getty
Damit es diesmal mit der Medaille klappt, hat Tirinzoni alles Mögliche optimiert, scheute auch vor schwierigen personellen Entscheiden nicht zurück: Etwa, als sie 2023 die Zusammenarbeit mit Briar Schwaller-Hürlimann beendete, weil sie spürte, dass sie nicht in allen entscheidenden Punkten gleich denken. Die Spielerin war damals überrascht vom Entscheid.
Neben Tirinzoni, Pätz und Witschonke steht in Cortina Carole Howald auf dem Eis, alle vier sind starke Spielerinnen. Und sie sind charakterlich zwar verschieden, harmonieren aber beim Ehrgeiz oder generell beim Mindset. Mirjam Ott sagt: «Sie arbeiten trotz dem vorhandenen Erfolg extrem zielorientiert und gewissenhaft daran, noch besser zu werden», sagt sie, «gehen immer wieder die Extrameile.»
Das Team Tirinzoni hat Ott auf die Spiele in Cortina hin als Coach hinzugezogen. Weil die Aufmerksamkeit, die Olympia generiert, für die Curler erschlagend sein kann. Ihr Sport findet normalerweise ausserhalb des Rampenlichts statt. Ott sollte mit ihrer Erfahrung dabei helfen, mögliche ungewohnte Einflussfaktoren vorzubesprechen.
Das Ziel des Mentaltrainings: sich gegenseitig zu stärken
Im Mentaltraining standen in den Monaten vor Olympia das Teamgefüge und der Umgang miteinander im Fokus. Es ging darum, wie sich die Spielerinnen gegenseitig stärken können. Tirinzoni sagt: «Wenn eine von vier ihre Leistung nicht abrufen kann, wird es sehr schwierig, ein Spiel zu gewinnen, auch gegen einen schwächeren Gegner.» Man könne aber nicht erwarten, dass jede nur gute Tage habe. «Aus einem weniger guten dennoch das Maximum rauszuholen, das ist die Idee.» Und dass sich jede während des Spiels selber aufbauen kann.
In der laufenden Saison funktionierte das besonders gut. Spielte eine ein schlechtes End, konnte es die Nächste sofort wieder geradebiegen, liess sich nicht wie früher von einer schlechten Leistung anstecken. Das Team stand bei allen fünf Grand-Slam-Turnieren in diesem Winter im Final, gewann zwei davon.
Als weiteres Puzzleteil haben sie die Ehrlichkeit ausgemacht: Die Spielerinnen mussten lernen, einander offen zu sagen, welche Aussage ihnen im Spiel geholfen hat, welcher Satz oder Tonfall eher nicht. Das Team erzählt, der Mentaltrainer habe das aus ihnen herausgekitzelt.
Die einen im Team suchen neben den Spielen eher die Ruhe, andere haben gerne Leute um sich. Dem wollen sie auf den vielen gemeinsamen Reisen gerecht werden, Freiraum gewähren; gemeinsame Abendessen sind nicht Pflicht. Zu zwei Dritteln buchen sie im Winter Einzelzimmer, einen Drittel der Zeit verbringen sie in Doppelzimmern. Oder sie mieten sich eine Wohnung, in der es bei Bedarf einen gemeinsamen Raum gibt. Das Team Tirinzoni hat eine gemeinsame Basis gefunden, alle Ecken ausgeleuchtet – wie weit wird sie das tragen?
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