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Der britisch-niederländische Konzern konzentriert sich auf Dove-Seifen und Omo-Waschmittel. Der Nahrungsmittelbereich mit Traditionsmarken wie Knorr oder Hellmann’s fusioniert mit dem US-Gewürz-Riesen McCormick.

Aromat ist auch ein Produkt von Unilever.
Peter Klaunzer / Keystone
Experimentieren tun sie viel, aber das perfekte Rezept haben sie noch nicht gefunden, die grossen Konsumgüterhersteller. Sie ringen seit Jahren mit der Frage, ob ein möglichst breites oder ein fokussiertes Sortiment besser ist.
Bei dieser Diskussion, die auch Nestlé schon länger führt, ist Unilever einen Schritt weitergekommen. Das britisch-niederländische Unternehmen hat am Dienstag einen Deal mit McCormick über seine Lebensmittelsparte verkündet. Es kommt zu einer Abspaltung mit anschliessender Fusion. Dabei wird der amerikanische Konzern mit dem deutlich grösseren Nahrungsmittelbereich von Unilever zusammengelegt.
Unilever und seine Aktionäre erhalten 65 Prozent der Anteile an der neuen Firma und eine Cash-Zahlung von 15,7 Milliarden Dollar. Die Transaktion bewertet die abgetrennte Sparte mit 44,8 Milliarden Dollar. Die beiden Firmen rechnen mit jährlichen Einsparungen von 600 Millionen Dollar. McCormick wird seinen Namen und Sitz im US-Gliedstaat Maryland behalten, plant jedoch die Schaffung eines Sitzes für das internationale Geschäft in den Niederlanden und zusätzlich zur Börsenkotierung in New York eine Zweitkotierung in Europa.
Die Glace ist schon weg
McCormick ist bekannt für Gewürze. Künftig gehören auch Unilever-Marken wie der Aromat-Hersteller Knorr, Hellmann’s Mayonnaise oder das Malzgetränk Horlicks zum Portfolio des kombinierten Konzerns. Das Glace-Geschäft hat Unilever kürzlich in eine börsenkotierte Firma namens The Magnum Ice Cream Company ausgegliedert. Von Margarine und Tee (u. a. Lipton) hat man sich schon früher getrennt.
Entstanden ist der Konzern 1930 durch den Zusammenschluss der niederländischen Firma Margarine Unie und des britischen Seifenherstellers Lever. In der Schweiz hat er einen Produktionsstandort in Thayngen (SH), wo etwa die Streuwürze Aromat hergestellt wird.
Nach der Transaktion mit McCormick konzentriert sich Unilever nur noch auf Schönheitspflege mit Marken wie Dove oder Axe sowie Putz- und Waschmittel (Cif, Omo).
Es gibt mehrere Gründe, die für einen solchen Schritt sprechen: So gilt das Wachstumspotenzial für die Food-Marken in den Industrieländern als begrenzt. Das hat auch damit zu tun, dass hochverarbeitete Lebensmittel von Konsumenten und Behörden zunehmend kritisch betrachtet werden und sich verschärfte Regulierungen abzeichnen. Zudem haben Preiserhöhungen dazu geführt, dass Konsumenten auf günstigere Eigenmarken ausweichen.
Weg von Konglomeraten
Ebenfalls ein Trend in der Branche in den letzten Jahren war der Umbau der grossen Konglomerate zu fokussierten Firmen. Diese Entwicklung war nicht zuletzt von Finanzinvestoren getrieben. Sie hoffen auf eine erhöhte Schlagkraft und stärkeres Wachstum, wenn die Unternehmen sich weniger verzetteln.
Unilever hat seit vier Jahren mit Nelson Peltz einen aktivistischen Aktionär im Nacken. Der gefürchtete Investor sitzt auch im Verwaltungsrat. In dieser Zeit wurde unter anderem schon der CEO ausgewechselt und ein grosser Stellenabbau angekündigt.
Als die ersten Gerüchte über eine Abtrennung der Unilever-Food-Sparte aufkamen, gab es allerdings auch kritische Stimmen. Diese gaben zu bedenken, dass nach dem langwierigen Abspaltungsprozess der Glace-Sparte ein erneuter, noch komplexerer Umbau Unilever im Tagesgeschäft bremsen könnte.
Auch bei Nestlé hat die neue Führung angekündigt, die Konzernstruktur etwas zu vereinfachen und beispielsweise für das Wassergeschäft einen Investor zu suchen. Doch das Unternehmen aus Vevey bleibt auch künftig sehr breit aufgestellt: von Kaffee über Tiernahrung und Schokolade bis hin zu Kochzutaten von Maggi, der direkten Konkurrenz zu Unilevers Knorr. Eine Begründung für diese Strategie ist die Verhandlungsmacht, die ein solches Sortiment im Umgang mit Detailhändlern bringt.
Hin und Her bei Kraft Heinz
Die Einschätzung, ob gewisse Aktivitäten zusammenpassen oder nicht, kann sich jedoch schnell wieder ändern: Das zeigt sich gut am Ketchup-Riesen Kraft Heinz.
Dieser ist 2015 durch eine Milliardenfusion entstanden. Im vergangenen Herbst kündigte der US-Konzern dann an, sich wieder aufzuspalten – doch bereits im Februar 2026 wurden diese Pläne wieder auf Eis gelegt. In der Zeit zwischen diesen Meldungen soll Kraft Heinz laut der «Financial Times» auch mit Unilever über eine Zusammenlegung des Nahrungsmittelgeschäfts gesprochen haben.
Die Gerüchteküche in der Branche wird noch eine ganze Weile brodeln.
(Dieser Text basiert auf einem Artikel vom 20.3.26 und wurde mit der Bestätigung und den Details der Fusion ergänzt)