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Lange Zeit hielt sich der italienische Staat aus der Telekommunikation zurück. Nun holt er die Telecom wieder unter die Fittiche der Politik.

Der Post-Chef Matteo Del Fante will mit der Übernahme von Telecom Italia die technologische Unabhängigkeit Italiens sichern.
Remo Casilli / Reuters
Zurück auf Los: 29 Jahre nach der Privatisierung des ehemaligen Monopolisten Telecom Italia kehrt der italienische Staat wieder in die Telekommunikationsbranche zurück. Das italienische Holdingunternehmen Poste Italiane, dem unter anderem die italienische Post gehört, hat 10,8 Milliarden Euro für die vollständige Übernahme von Telecom Italia (TIM) geboten.
Durch die Fusion soll unter dem Dach des staatlichen Postkonzerns ein «nationaler Champion» entstehen, der Telekommunikation, Logistik, Finanzdienstleistungen und digitale Infrastrukturen vereint.
Verärgerte Aktionäre bei Poste Italiane
Mit dem Griff nach TIM setzt der Konzern Poste Italiane den massiven Ausbau seiner vielfältigen Geschäftsaktivitäten fort. Hat das Angebot Erfolg, soll TIM von der Börse genommen werden. Bei den Anlegern des Postkonzerns kam der Vorstoss nicht gut an. Der Kurs verlor am Montagnachmittag 5,6 Prozent. Die TIM-Aktie legte um 6 Prozent zu. Nach einer Übernahme hätte der Staat das Sagen in einem Konzern mit 26,9 Milliarden Euro Gesamtumsatz und mehr als 150 000 Mitarbeitern. Über das Finanzministerium und die Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti ist die öffentliche Hand mit 65 Prozent an Poste Italiane beteiligt.
Telecom Italia (TIM) war 1997 unter dem linksliberalen Ministerpräsidenten Romano Prodi privatisiert worden. Nun dreht die Regierung von Giorgia Meloni die Zeiger wieder zurück. In Italien soll ein staatlich dominierter, integrierter Post- und Telekommunikationskonzern neu aufleben, wie es ihn vor der Privatisierung und Entflechtung gegeben hatte.
Hinter dem Comeback des Staates in der Telekommunikation steht die Absicht, Infrastrukturen zu bündeln und die italienischen Anbieter zu stärken. Die Post verfügt über ein dichtes Filialnetz mit rund 13 000 Standorten. Sie spielt in Italien eine wesentliche Rolle in der Digitalisierung von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen. TIM würde seine Vertriebs- und Netzkapazitäten und seine strategischen Positionen in Cloud, Rechenzentren und Konnektivität mitbringen.
Telekom zugunsten technologischer Unabhängigkeit
«Zusammen mit TIM schaffen wir eine intelligente Plattform für Italien», sagte der Post-Chef Matteo Del Fante. Er betonte die sicherheitspolitische Dimension der Übernahme: Der neue Konzern solle die technologische Unabhängigkeit Italiens sichern und die Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Wirtschaft stärken. Zudem würde der Einstieg des Staates der instabilen Aktionärsstruktur bei TIM ein Ende bereiten.
In der Tat hatte sich die Privatisierung von TIM als «Mutter aller Privatisierungen» in Italien schnell als schwieriges Unterfangen erwiesen: Ab dem Moment, wo sich das römische Finanzministerium 1997 aus dem Kapital des Telekommunikationsunternehmens zurückgezogen und dessen Zukunft in private Hände gelegt hatte, begann ein steiler Abstieg. TIM wurde fortan von häufigen Eigentümerwechseln, strategischer Inkonsistenz und hohen Schulden gebeutelt.
Insbesondere die spektakulären, kreditfinanzierten Übernahmeschlachten um die Jahrtausendwende belasteten TIM nachhaltig, da die Schulden dem Unternehmen aufgebürdet wurden. In einem sich rasant wandelnden Markt – mit sinkenden Margen im klassischen Telekomgeschäft und wachsender Bedeutung digitaler Dienste – erwies sich diese Hypothek als strukturelles Handicap. Es bremste die Entwicklung über Jahrzehnte.
In den vergangenen vier Jahren gelang es dem Telecom-Chef Pietro Labriola, TIM zu stabilisieren. Er verkaufte das Telefonnetz für 19 Milliarden Euro an den amerikanischen Finanzinvestor KKR und das römische Finanzministerium. Dies war der Grundstein für einen nachhaltigen Sanierungsplan und eine realistische Wachstumsstrategie.

Telecom-Chef Pietro Labriola.
Albert Gea / Reuters
Das nächste Kapitel der «Melonomics»
Durch den Zusammenschluss von TIM und Poste Italiane sollen nun mittelfristig Synergien von rund 700 Millionen Euro jährlich erzielt werden, davon etwa 500 Millionen durch Kosteneinsparungen und 200 Millionen durch zusätzliche Erlöse. Dem stehen einmalige Integrationskosten in ähnlicher Grössenordnung gegenüber. Die vollständige Übernahme soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Das Übernahmeangebot der Poste Italiane fügt sich nahtlos in die «Melonomics» ein. Die Regierung in Rom greift seit dreieinhalb Jahren massiv in die Wirtschaft ein. Anstelle direkter Verstaatlichungen nutzt die Regierung öffentliche Unternehmen wie die Poste Italiane und das Kreditinstitut Cassa Depositi e Prestiti als Vehikel, um als strategisch geltende Vermögenswerte wieder unter nationale Kontrolle zu bringen. Ihr erklärtes Ziel ist es, kritische Infrastrukturen vor ausländischen Übernahmen zu schützen.
Doch auch in nationale Angelegenheiten mischt sich Meloni regelmässig ein. Mit Unterstützung der Regierung schnappte sich die toskanische Bank Monte dei Paschi im vergangenen Jahr die Mailänder Geschäftsbank Mediobanca, ein Juwel der Mailänder Finanzbranche. Auch vereitelte die Regierung mit einem dirigistischen Eingriff in den Markt den Versuch des Mailänder Bankkonzerns Unicredit, sich die drittgrösste Bank des Landes, den Banco BPM, einzuverleiben.

