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Und plötzlich schwimmen die Möbel im Zimmer Frankreichs Westen unter Wasser

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  • February 20, 2026

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Seit Mitte Januar vergeht in Frankreich kein Tag ohne Regen. Besonders im Westen steigen die Flüsse auf historische Höchststände, in mehreren Départements gilt die Warnstufe Rot.

Polizisten sind in einer der überfluteten Strassen von Saintes im Einsatz.

Yohan Bonnet / AP

Flooding in Chalonnes sur Loire to Heavy Rain – France Aerial view of flooding of the Loire River in Chalonnes sur Loire, France on February, 18 2026 following heavy winter precipitation and abundant rainfall. A man is missing on February 18, 2026 after capsizing on the Loire River, and water levels continue to rise in four departments in western France under red alert, a situation that is likely to worsen with the arrival of Storm Pedro and high tidal coefficients. Photo by Raphaël Lafargue/ABACAPRESS.COM Chalonnes sur Loire France PUBLICATIONxNOTxINxFRAxUK Copyright: xLafarguexRaphael/ABACAx

Lafargue Raphael / Abaca / Imago

Eine hochschwangere Frau steht verzweifelt in dem Raum ihrer Wohnung, der in wenigen Tagen das Kinderzimmer hätte werden sollen. Alles war vorbereitet, die Geburt steht kurz bevor. Doch nun treiben Möbel im Raum. Die Flut hat das Haus erfasst und das Parkett gelöst. Das Wasser steht so hoch, dass nichts mehr an seinem Platz bleibt.

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Diese Szene schildert Maelaïg Cévaër, die im Rathaus der Stadt Saintes arbeitet, am Telefon. «Unsere Einsatzkräfte haben in den letzten Tagen viele überflutete Häuser gesehen, aber dieser Fall hat sie besonders traurig gestimmt», sagt sie. Die Betroffene müsse psychologisch betreut werden. Auch sie selbst, so Cévaër, bewege das sehr, weil sie erst vor kurzem Mutter geworden sei.

Resignierte Bewohner

Saintes, im Département Charente-Maritime, zählt zu den am stärksten betroffenen Orten der gegenwärtigen Hochwasserlage im Westen Frankreichs. Rund 1300 Häuser stünden hier seit Tagen unter Wasser, berichtet das Rathaus. Etwa 2000 Haushalte seien betroffen. Der Fluss Charente, der sonst gemächlich durch die Kleinstadt fliesst, nähere sich dem Rekordstand von 1982, als der Pegel 6,84 Meter erreichte.

Cévaër erzählt, wie in einer Turnhalle, wo ein Krisenstab eingerichtet wurde, die Notrufe auflaufen würden. «Es gibt Strassen, die besonders betroffen sind, wo die Häuser seit Jahren immer wieder überflutet werden. Dort sind die Bewohner erschöpft. Sie haben es einfach nur satt», sagt sie. Andere, vor allem ältere Leute, reagierten resigniert; manche fast schon philosophisch. «Für sie sind die Schäden materiell und vorübergehend.»

Für Saintes an der Charente ist es bereits das dritte schwere Hochwasser seit 2021. Fernsehbilder zeigen, wie die Strassen in dem pittoresken galloromanischen Städtchen mittlerweile Kanälen gleichen. Boote der Seenotrettung SNSM evakuieren Bewohner, während Feuerwehrleute durch metertiefes Wasser waten und Häuser sichern. Was das Schlimmste sei, wird ein Jugendlicher gefragt. «Dass es einfach immer weiterregnet!»

Tatsächlich erlebt Frankreich mit inzwischen 38 Tagen seine längste Regendauer seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1959. Seit dem 14. Januar sei im landesweiten Durchschnitt an jedem einzelnen Tag mindestens ein Millimeter Niederschlag registriert worden, berichten die Meteorologen. Bereits der Januar sei landesweit zu nass gewesen – mit rund 30 Prozent mehr Regen als üblich. Und dabei ist ein Ende noch nicht in Sicht. Denn mit dem Sturm «Pedro» ist bereits das nächste Tief über das Land gezogen, das weitere Niederschläge bringt.

Die Folgen sind vor allem im Westen und Südwesten spürbar, wo zahlreiche Flüsse über die Ufer getreten sind. In Bordeaux erreichte die Garonne am Donnerstag einen Pegel von 6,85 Metern und lag damit nur knapp unter dem historischen Höchststand von 1999. In vier Départements – Charente-Maritime, Maine-et-Loire, Loire-Atlantique und Gironde – galt am Freitag weiter die höchste Hochwasserwarnstufe. Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu erklärte die Flut zur Chefsache und kündigte eine «vollständige Mobilisierung» aller staatlichen Kräfte an.

Böden vollständig gesättigt

Problematisch ist, dass die Böden nach den wochenlangen Regenfällen vielerorts vollständig gesättigt sind. Sie können kaum noch zusätzliches Wasser aufnehmen. Jeder weitere Schauer fliesst oberflächlich ab und lässt die Flüsse weiter anschwellen, die ohnehin Hochwasser führen. Selbst wenn die Niederschläge nachlassen, sinken die Pegel nur langsam, weil die Wassermassen nur verzögert in Richtung Meer abfliessen.

Zugleich weisen Klimaforscher auf einen längerfristigen Trend hin. Mit steigenden Temperaturen kann die Atmosphäre mehr Feuchtigkeit speichern, was heftigere Niederschläge begünstigt. «Wir zahlen heute, was in den vergangenen zwanzig Jahren bei der Anpassung nicht getan wurde», zitiert die Zeitung «Libération» den Klimaforscher Robert Vautard. Die gegenwärtige Lage mache deutlich, wie gross der Handlungsbedarf bei Vorsorge, Raumplanung und Hochwasserschutz weiterhin sei.